Olympia/Mainz. Das antike Olympia ist nach Ansicht eines Geografen nicht von einem Erdbeben, sondern von einem Tsunami zerstört worden. Professor Andreas Vött von der Universität Mainz untersuchte Bodenproben auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und geht davon aus: Eine Flutwelle überrollte die dem Göttervater Zeus gewidmete Stätte. „Alle Daten, die wir haben, stützen diese Hypothese“, sagt der Wissenschaftler. Von Meerbeben ausgelöste Tsunamis seien am griechischen Tiefseegraben öfter vorgekommen. Noch ist die These aber neu - und nicht unstrittig.
Seit mehr als einem Jahr untersucht Vötts Team den Ort. „Wir haben viele Bohrungen gemacht“, berichtet der 42-Jährige. Die Forscher entdeckten in dem Lehmboden, der die Überreste des zerstörten Tempels bedeckt, Sand- und Kiesschichten. „In denen haben wir Muschelreste gefunden.“ Auch Schneckengehäuse und Einzeller tauchten auf. Diese Fundstücke aus dem Meer, meint Vött, stammen von einem Tsunami. Ausgelöst würden solche Flutwellen im Meer, wo sich die afrikanische Kontinentalplatte unter die eurasische schiebe.
Der Grabungsleiter Reinhard Senff vom Deutschen Archäologischen Institut hat in Olympia bislang keine Hinweise auf eine Überflutung gefunden. Auch bei der Freilegung vor rund 150 Jahren sei nichts in dieser Richtung bekanntgeworden. „Für eine Überschwemmung haben sich die Leute damals nicht interessiert.“ Sind mögliche Hinweise also nur nicht beachtet worden? Angesichts der Lage der umgestürzten Säulen jedenfalls geht Senff weiter von einem zerstörerischen Erdbeben aus.
Olympia wurde 1989 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Inmitten der heiligen Stätte stand der imposante Zeustempel, in der eine zwölf Meter hohe Statue des Göttervaters aus Gold und Elfenbein thronte. Die Statue zählte zu den Sieben Weltwundern der Antike und gilt als verschollen. Bislang gehen Wissenschaftler davon aus, dass Erdbeben im 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus Olympia erschütterten. Die Stätte wurde unter einer meterdicken Schicht aus Sand und anderen Ablagerungen verschüttet.
Olympia liegt heute laut Vött rund 20 Kilometer vom Wasser entfernt. Vor mehreren tausend Jahren reichte der Wasserpegel aber seiner Ansicht nach näher an die Stätte heran. „Was wir sicher belegen können: Dass die Küste zehn Kilometer entfernt lag“, meint er. Mitunter habe das Meer sogar nur drei Kilometer entfernt gelegen. Belege gebe es dafür bislang aber nicht. Seine Forschungsergebnisse will der Geomorphologe im Herbst auf einer Tagung in Korinth vorstellen.
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