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27. April 2012

Übergewicht wegoperieren: Abnehmen per Skalpell

 Von Anke Brodmerkel
Prüfe Dein Gewicht! Das ist auch schon in jungen Jahren sinnvoll.  Foto: Getty

Wenn alle Diäten versagt haben, hilft oft nur noch eine Operation. Derzeit stehen den Patienten fünf Methoden zur Gewichtsreduktion zur Verfügung.

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Sie haben gelitten, gehofft und gehungert – und den Kampf gegen die Pfunde trotzdem verloren. Für Menschen, die trotz ernsthafter Diätversuche noch immer dreißig, vierzig oder mehr Kilo zu viel auf die Waage bringen, bleibt oft nur ein einziger Ausweg: eine Operation, bei der, vereinfacht gesagt, der Magen, der Dünndarm oder beide Organe verkleinert werden. Ziel der Eingriffe ist es, dass der Patient nur noch kleine Portionen zu sich nehmen kann beziehungsweise die Nahrung nicht mehr vollständig verwertet.

Gewöhnlich bieten Chirurgen eine solche Operation vor allem stark adipösen Menschen an, deren Body Mass Index, kurz BMI (siehe Kasten), größer als 40 ist. „Immer häufiger operieren wir aber auch Patienten, deren Zuckerstoffwechsel entgleist ist, obwohl sie nur mäßiges Übergewicht haben“, sagt Edward Shang vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas-Erkrankungen in Leipzig. „Aktuelle Studien haben gezeigt, dass der Diabetes mit chirurgischen Maßnahmen sehr gut in den Griff zu kriegen ist.“

Ein Eingriff der das Leben verändert

Shang, der am Universitätsklinikum Leipzig die Sektion Adipositas-Chirurgie leitet, hat diese Woche auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin einen Überblick über etablierte Operationstechniken gegeben sowie neue Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt. „Bevor sich ein Patient operieren lässt, muss er allerdings zwei Dinge wissen“, sagt Shangs Kollege, der Chirurg Rudolf Weiner vom Kompetenzzentrum für Übergewicht am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt am Main:

„Erstens: Der Eingriff wird sein Leben für immer verändern.“ Denn wer sein Essverhalten nicht komplett umstelle, werde von einer Operation nicht profitieren, sondern könne, im Gegenteil, seinem Körper schaden. „Zweitens: Die Vorstellung, eine Operation mache aus einem übergewichtigen einen gertenschlanken Menschen, ist falsch“, sagt Weiner. „Je nach Verfahren verlieren die Patienten zwischen 40 und 90 Prozent ihres Übergewichts – wobei der Effekt auch stark vom Einsatz des Behandelten abhängt.“

Derzeit stehen den Patienten im Wesentlichen fünf Methoden zur Gewichtsreduktion zur Verfügung. Die einfachste Maßnahme ist es, dem Übergewichtigen einen Magenballon einzusetzen. Dabei führt der Arzt mit Hilfe eines Endoskops einen leeren Silikonballon durch Mund und Speiseröhre in den Magen ein und füllt ihn mit einer Kochsalzlösung. Durch das reduzierte Magenvolumen fühlt sich der Patient anschließend schneller satt. „Die Methode ist nicht sonderlich effektiv, kann aber zum Beispiel dabei helfen, dass ein Patient so viel abnimmt, dass man ihn überhaupt dem Risiko einer Operation aussetzen kann“, sagt Shang.

Mit Magenband gegen den Heißhunger

Das einfachste operative Verfahren besteht darin, dem Patienten ein Magenband einzusetzen. Dabei schnürt der Chirurg im oberen Bereich des Magens mit einem Silikonband ein kleines Reservoir ab. Dieser Vormagen ist schnell gefüllt, wodurch sich beim Essen rasch ein Sättigungsgefühl einstellt. Mit einem Magenband verlieren Patienten im Schnitt zwischen 40 und 60 Prozent ihres Übergewichts, wobei der Erfolg besonders stark vom Essverhalten des Patienten abhängt: Gezuckerte Getränke, Eis und Pudding zum Beispiel rutschen nämlich durch die Schlinge hindurch. Zudem verursacht das Magenband mitunter Komplikationen. „Es kann zum Beispiel verrutschen, so dass eine zweite Operation nötig wird“, sagt Shang.

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