Berlin. Einmal kurz weggenickt und die Katastrophe passiert: Schlafforscher warnen vor dem gefährlichen Sekundenschlaf am Steuer und rufen zum rechtzeitigen Pausemachen auf.
"Fast ein Viertel aller tödlichen Autounfälle sind auf das Einnicken zurückzuführen, denn diese Unfälle passieren ungebremst", sagt Prof. Thomas Penzel, wissenschaftlicher Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité.
Auch auf der Schiene, in der Luft und im Schiffsverkehr sowie bei sehr monotoner Arbeit sei der Sekundenschlaf ein großes Problem. "Denn der Betroffene bemerkt die Schläfrigkeit nicht rechtzeitig."
Dringend sei deshalb Aufklärung nötig, damit schläfrige Fahrer rechtzeitig ausruhen, forderte der Schlafforscher im Vorfeld eines Fachkolloquiums, das die Daimler-Benz-Stiftung an diesem Mittwoch in Berlin veranstaltet.
"Ein Nickerchen von 20 Minuten reicht aus, um ein bis zwei Stunden weiterzufahren", sagt Penzel. Anregungen wie Koffein seien nur die zweite Wahl, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern. "Technische Warnsysteme in den Fahrzeugen oder Rubbelstreifen auf der Fahrbahn sind gute Hilfsmittel, aber wichtig ist, daraus dann den richtigen Schluss zu ziehen und sich auszuruhen."
In anderen Staaten wie Schweden, Frankreich, England oder Spanien gebe es längst Kampagnen, um Autofahrer durch Plakate oder auch Fernsehspots zum rechtzeitigen Rastmachen anzuhalten. "Aber in Deutschland setzt man vor allem auf Technologie. Das ist schade", sagt Penzel.
Seit 2007 sei es in Deutschland sogar verboten, sich bei "messbarer, auffälliger Tagesschläfrigkeit" ans Steuer zu setzen. "Aber bislang gibt es gar kein Verfahren, um Schläfrigkeit gesichert zu messen", wirft Penzel ein. Hierzu wollen die Schlafforscher in Berlin Informationen sammeln und vorstellen. (dpa)
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