"Die Uni-Präsidentin Auweter-Kurtz steht mit dem Rücken zur Wand und ist angezählt." So wird die Hamburger Wissenschaftsministerin Herlind Gundelach (CDU) zitiert, nach Einzelgesprächen am Wochenende mit allen Dekanen der Uni Hamburg.
Wie lange es noch dauert bis zum K.o. der Hochschulleiterin, haben jetzt offenbar ihre Gegner in der Hand. Schon vorige Woche hatten die Dekane in einem gemeinsamen Brief an den Hochschul- oder Aufsichtsrat ihr zerrüttetes Verhältnis mit der Unileiterin festgestellt. Ihr werden rechtswidrige Einmischungen in die Selbstverwaltung, Misstrauen und ein Kasernenton vorgeworfen. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten sammeln gegenwärtig Unterschriften zur Abwahl.
Auch in der Politik hat Auweter-Kurtz allen Rückhalt verloren, auch in der regierenden CDU. Der größte politische Fehler der Präsidentin, einer Ortsfremden aus Stuttgart: Ihr voreiliges Votum für einen zwei Milliarden teuren Umzug der Uni aus Eimsbüttel in Neubauten auf einer Elbinsel. Dabei spielen die Hafenbehörden und die Handelskammer nicht mit, vor allem aber auch nicht wichtige Hamburger Bildungspolitiker wie Wolfgang Beuß, der Fraktionssprecher für Wissenschaft und gleichzeitig Vorsitzender des Eimsbütteler CDU-Kreisverbandes ist. Er will nicht zusehen, wie sich das traditionelle Univiertel entvölkert.
Vergangenen Freitag rückte die Präsidentin von ihren Umzugsplänen ab - zu spät, weil sie sich damit sofort dem Vorwurf eines unberechenbaren Schlingerkurses aussetzte. Auf einer missglückten Pressekonferenz unter Polizeischutz rief sie zugleich neuen Ärger bei ihren hochschulinternen Gegnern hervor, weil sie scheinbar besserungswillig mehr "Geduld" mit ihnen versprach.
"Als ob wir Reformgegner wären", heißt es aus den Dekanaten, "in Wirklichkeit wehren wir uns gegen den rabiaten und rechtlich nicht gedeckten Führungsstil von Frau Auweter." Mit Besserungsversprechen haben die Dekane Erfahrungen. Wegen rechtswidriger Bevormundung hatten die Chefs der Juristen, der Geisteswissenschaften sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Präsidentin schon vor eineinhalb Jahren eine sechzigseitige Klageschrift für das Verwaltungsgericht auf den Tisch gelegt. Das soll Auweter-Kurtz zum Weinen und zum Besserungsgelöbnis gebracht haben; woraufhin die klagenden Dekane einlenkten. "Geändert hat sich das Verhalten der Präsidentin nicht", stellt ein enttäuschter Juraprofessor fest.
Die unzureichende Sozialkompetenz der Präsidentin war auch Thema einer Sitzung des Hochschulrates am Donnerstag. Dabei sollen die drei Vizepräsidenten und die Kanzlerin auf Nachfrage erklärt haben, zurückzutreten, wenn die Präsidentin im Amt bleibt. Sonst würden sie wegen der Kontinuität gern weitermachen. Deadline für die Entscheidung ist der 9. Juli - die nächste Sitzung des Akademischen Senats.
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