Fast jeder Supermarkt hat eine Abteilung für Diabetikerprodukte. Es gibt Bier, Schokolade und Capuccino für Diabetiker. Mehr als 100 solcher Produkte sind in Deutschland auf dem Markt und die meisten haben eins gemeinsam: statt weißem Zucker stecken in ihnen Fruchtzucker oder Zuckeralkohole. Doch diese Produkte sind nach Einschätzung vieler Experten vollkommen sinnlos. Denn Diabetes mellitus ist – wie oft angenommen – keine reine Zuckerkrankheit, sondern verursacht auch Störungen des Protein- und Fettstoffwechsels.
Schon vor zwei Jahren stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fest: „Ein Zuckerverbot ist bei Diabetes nicht notwendig. Vielmehr sollten sich Diabetiker bei ihrer Ernährung an den Empfehlungen orientieren, die auch für die Allgemeinbevölkerung gelten.“ Die speziellen Lebensmittel seien also nicht notwendig. Im Gegenteil: Sie können den Patienten sogar schaden.
Denn viele der vermeintlichen Diät-Produkte enthalten ungünstige Fette und machen dick. Außerdem kann ein hoher Fruktose-Konsum weitere Gesundheitsrisiken fördern, etwa Fettsucht (Adipositas) oder Bluthochdruck.
Professor Thomas Danne, Präsident der Deutschen Diabetes- Gesellschaft, fordert deshalb, diese Lebensmittel abzuschaffen. „In der Diabetiker-Ernährung ist ja nichts mehr verboten. Grundsätzlich können alle Lebensmittel konsumiert werden, auch Haushaltszucker, solange der tägliche Zuckerkonsum eine bestimmte Menge nicht übersteigt und insgesamt eine ausgewogene Ernährung stattfindet.“ Empfehlenswert sei es auch, regelmäßig Ballaststoffe zu sich zu nehmen, die die Aufnahme des Zuckers in das Blut verlangsamen.
Diabetiker-Lebensmittel könnten regelrecht gefährlich werden, sagt Danne: „Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aufschrift ,für Diabetiker geeignet‘ manche Diabetiker dazu verführt, unbegrenzt davon zu essen.“
Das Verbraucherministerium will nun die Diätverordnung ändern. Bestimmungen, wie jene, dass ein Diabetiker-Brot nur einen Brennwert von höchstens 840 Kilojoule pro 100 Gramm haben darf, oder zu Fruktose als Zucker-Ersatz sollen gestrichen werden. Am Mittwoch stimmte der Gesundheitsausschuss des Bundesrats zu. Ziel ist, dass es nach einer Übergangszeit von zwei Jahren keine Produkte für Diabetiker mehr gibt.
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