Je nach Untersuchung haben 1,3 bis vier Prozent der Grundschüler eine Rechenschwäche (Dyskalkulie). Allerdings sei es schwer, die Lernstörung zu erkennen, sagt Hans-Joachim Lukow, Leiter des Zentrums für angewandte Lernforschung im niedersächsischen Osnabrück. "Bestehende Tests konzentrieren sich auf das Ergebnis, also darauf, ob ein Kind die richtige Lösung gefunden hat - und nicht, wie es zu dem Ergebnis gekommen ist.
Dabei ist das "Wie" von entscheidender Bedeutung. Nur wenn man die Kinder beim Rechnen beobachtet, kann man Schwierigkeiten aufdecken und beurteilen, ob es sich um Rechenschwäche handelt oder nicht.
Eltern können sich an den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie in Hannover wenden, erreichbar montags und dienstags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 16 bis 18 Uhr unter Tel: 0700 / 31873811.
Unterstützung bietet auch die Website vom Institut für Mathematisches Lernen Braunschweig, Steinweg 4, Tel. 0531/ 12167750, E-Mail: info@iml-braunschweig.de. Hier finden Betroffene Links zu lerntherapeutischen Facheinrichtungen in ganz Deutschland.
Im Netz: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie: http://www.bvl-dyskalkulie.de
Institut für Mathematisches Lernen: http://www.zahlbegriff.de
Die betroffenen Kinder entwickeln ein unzureichendes Verständnis für Zahlen und Mengen, die Entwicklung mathematischer Fähigkeiten ist gehemmt. Zum Beispiel können sie sich nicht vorstellen, dass fünf Zehn-Cent-Münzen genauso viel Geld ist wie eine 50-Cent-Münze. Bei der Aufgabe acht minus sieben muss ein Kind die Nähe der Zahlen erkennen. Ist dies nicht der Fall wird es von der Zahl acht sieben mühsame Schritte zurückzählen.
Mögliche Hinweise auf eine Rechenschwäche
Zahlenräume, Mengen, Größen, Formen und Distanzen werden schlecht erfasst, die Verbindung zwischen Zahlenbegriff und Menge fehlt.
Zahlen werden als Position verstanden, etwa die Zahl Fünf nicht als Gesamtheit von fünf Einern, sondern als fünfte Position in einer Reihe ohne Bezug zur Menge. Was nach vier kommt, ist bekannt. Ein "mehr als fünf" wird aber nicht verstanden.
Beim Rechnen klappt der Zehnerübergang nicht, das dezimale Stellenwertsystem wird nicht verstanden. Kinder verwechseln ähnlich klingende Zahlen wie 14 und 40.
In einer Sachaufgabe können die relevanten Informationen nur schwer herausgefiltert werden.
Rechenfehler werden auch dann nicht bemerkt, wenn sie größenmäßig völlig daneben liegen.
Zählen und Rückwärtszählen gelingt nur unter Verwendung der Finger oder anderer Hilfsmittel. Rechnen mit Maßeinheiten bereitet große Schwierigkeiten.
Das Zählen ist auswendig gelernt und nicht verstanden. Rückwärtszählen, in Schritten und mit Sprüngen, sowie Zahlenfolgen werden nicht bewältigt.
Der Zusammenhang zwischen Plus und Minus, Mal und Geteilt ist nicht verstanden. Das Kind weiß vielleicht 3 + 3 = 6 auswendig, scheitert aber bei 6 - 3.
Platzhalteraufgaben wie x - 5 = 12 bleiben unlösbar, da der Zusammenhang von Plus und Minus nicht verstanden wurde.
Zehner und Einer werden bedenkenlos miteinander verknüpft. So wird aus 25 + 3 = 55.
Treffen mehrere dieser Aussagen zu, sollten Eltern genauer nachschauen - zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Symptomfragebögen, mit denen man eine Rechenschwäche relativ sicher erkennen kann.
Für eine Therapie gibt es bisher keine anerkannten Maßstäbe. Eltern müssen sich selbst nach geeigneten Einrichtungen umsehen.
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