Mehr als 50.000 Video-Interviews mit Überlebenden halten in einem Archiv an der Freien Universität Berlin die Erinnerung an den Holocaust wach.
Das Archiv-Projekt "Zeugen der Shoah" richtet sich außer an Forscher insbesondere an Schüler im gesamten Bundesgebiet. Erstmals können die jungen Nutzer nun die Oberfläche des "Visual History Archive" der University of Southern California auch in deutscher Sprache bedienen.
In einem der zahlreichen Videos erzählt die Jüdin Inge Brock, wie sie als Einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt hat - in Verstecken in Berlin und Umgebung. "Das Anliegen meines Lebens ist, anderen und vor allem jungen Menschen das, was ich erlebt habe, möglichst nahe zu bringen", sagt die 79-Jährige.
Sie berichtet in den Aufzeichnungen, dass sie im NS-Deutschland ständig mit der Angst lebte, entdeckt, und wie ihre Verwandten ins Konzentrationslager deportiert zu werden. Als sie im Krankenhaus operiert werden musste, seilte sie sich am Tag nach dem Eingriff nachts heimlich mit einem Bettlaken ab und floh. "Gemeinsam müssen wir die Verantwortung tragen, dass ein derartiges Grauen niemals wieder möglich sein kann", betont Brock. Aus diesem Grund halte sie das Video-Projekt für wegweisend.
DVD-Reihe geplant
Damit die Schüler das Multimedia-Archiv, das ursprünglich von dem US-Regisseur Steven Spielberg initiiert wurde, optimal nutzen können, werden derzeit rund 900 Interviews transkribiert, damit via Volltextsuche gezielt nach Themen für den Unterricht gesucht werden kann. Bis zum nächsten Jahr soll eine DVD-Reihe mit ausgewählten Interviews erstellt werden, die alle Schulen in Deutschland nutzen können.
Für Besucher ist ein Computerraum eingerichtet worden, in dem Klassen von Wissenschaftlern und Pädagogen betreut werden. Dort können Schüler interaktiv mit Web 2.0-Elementen arbeiten. So lernen sie etwa, eigenes Videomaterial zusammen zu stellen und zu schneiden. Auch Fortbildungen für Lehrer, Unterrichtsmaterialien und Lernsoftware bietet das Center für Digitale Systeme der Freien Universität an.
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