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Vitamin C: Eine Legende bröckelt

Um die angebliche Wunderwaffe gegen Husten und Schnupfen ist es still geworden. Vitamin C hat seinen Mythos verloren.

Das Einsäuern von Weißkohl war bereits zu Zeiten des griechischen Arztes Hippokrates bekannt. Besonders geschätzt war er zu Zeiten der großen  Seefahrer: Kolumbus und James Cook sollen ihren Mannen tägliche Portionen Sauerkraut verordnet haben, um sie so vor der Vitaminmangelerkrankung Skorbut zu schützen.
Das Einsäuern von Weißkohl war bereits zu Zeiten des griechischen Arztes Hippokrates bekannt. Besonders geschätzt war er zu Zeiten der großen Seefahrer: Kolumbus und James Cook sollen ihren Mannen tägliche Portionen Sauerkraut verordnet haben, um sie so vor der Vitaminmangelerkrankung Skorbut zu schützen.
Foto: ddp

Wer kannte es damals nicht, ein weißes Pulver, das es in 250-Gramm-Großpackungen in der Apotheke zu kaufen gab? Vitamin C stand auf der Packung, außerdem der wissenschaftliche Name "Ascorbinsäure". Wer in den 70er-Jahren gesundheitsbewusst durchs Leben ging, kam an dem Nahrungsergänzungsmittel nicht vorbei. Und bis heute werden gewaltige Mengen davon vertilgt.

Ins Rollen gebracht hatte das alles 1967 der US-amerikanische zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling, der seine wissenschaftlichen Verdienste auf ganz anderen Gebieten erworben hatte. Er propagierte die tägliche Einnahme von Vitamin C als Vorbeugung gegen Erkältungen und gegen Krebs. Pauling selber gab an, täglich 18 Gramm des weißen Pulvers zu sich zu nehmen. Ein Heer ernährungsbewusster Menschen machte es ihm nach.

Inzwischen ist es deutlich stiller um die angebliche Wunderwaffe gegen Husten und Schnupfen geworden, denn die Ansichten des Nobelpreisträgers konnten nie bestätigt werden. Vitamin C hat seinen Mythos verloren. Dennoch ist unbestritten, dass der Mensch täglich und in ausreichender Menge Vitamin C braucht. Das Molekül spielt beim Aufbau von Aminosäuren und beim Cholesterin-Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Außerdem ist es für die Kollagen-Produktion unerlässlich. Einen Beitrag leistet es auch als Radikalfänger - es schützt die Zellen vor aggressiven Substanzen.

Sauerkraut auf See

Ein Vitamin-C-Mangel macht sich im ganzen Körper bemerkbar. Man denke nur an Skorbut, eine Krankheit, unter der in früheren Jahrhunderten vor allem Seeleute zu leiden hatten. Zahnausfall, Erschöpfung, schlechte Wundheilung sind nur einige der Symptome beim Skorbut. Als bekannt wurde, dass Sauerkraut die Krankheit verhindern konnte, stach kein Schiff mehr ohne einige Fässer des sauer eingelegten Kohls in See.

Sauerkraut weist einen relativ hohen Vitamin-C-Gehalt auf, doch auch viele andere Nahrungsmittel glänzen mit guten Werten. Eindrucksvoll ist beispielsweise die Vitamin-C-Menge bei der Sanddornbeere oder der schwarzen Johannisbeere. Alle Kohlsorten, Paprika und Spinat sind reich an Vitamin C, danach folgen Erdbeeren und Zitrusfrüchte. Äpfel und Birnen dagegen sind nur relativ mager ausgestattet. In jedem Fall gilt, dass der Vitamin-C-Gehalt je nach Sorte, Reifegrad, Lagerung und Zubereitung von Obst und Gemüse stark variieren kann. Wird beispielsweise Rohkost nicht direkt nach dem Zerkleinern gegessen, verliert es drastisch seine vormals guten Werte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene eine Tagesmenge von 100 Milligramm Vitamin C. Da der Körper das Vitamin nicht speichern kann, muss die Menge täglich mit der Nahrung aufgenommen werden. Jetzt im Winter bieten sich vor allen Dingen Orangen, Clementinen und Grapefruits an. Mit 200 Gramm Orangenfruchtfleisch beispielsweise kann man schon seinen Tagesbedarf an Vitamin C decken.

In den vergangenen Jahren haben viele Studien untersucht, ob die Einnahme einer erhöhten Vitamin-C-Menge nicht doch einen schützenden Einfluss auf die Gesundheit haben kann. Übereinstimmend zeigte sich bei allen Untersuchungen hinsichtlich der Infektanfälligkeit kaum ein Nutzen. Anzahl und Dauer der Erkältungen blieben praktisch gleich. Bei Personen, die langfristig Vitamin C einnahmen, konnte auf das ganze Jahr gesehen noch nicht einmal ein Erkältungstag weniger verzeichnet werden. Lediglich bei Hochleistungssportlern wurde ein gewisser Schutz festgestellt.

Autor:  ANETTE BRECHT-FISCHER
Datum:  8 | 1 | 2009
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