Studienbewerber mit reicher Familie im Rücken, aber ohne europäischen Pass sollen für ihre Ausbildung in Deutschland künftig kräftig zur Kasse gebeten werden. Dafür plädieren zumindest Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und sein Berliner Amtskollege Jürgen Zöllner (SPD).
Der Vorschlag erscheint auf den ersten Blick verlockend. So studieren gegenwärtig zum Beispiel 25000 Chinesen zwischen Rhein und Oder. Sie bilden seit Jahren die größte Gruppe unter den 180000 Studierenden, die ihre Hochschulzulassung nicht in Deutschland erworben haben. Wenn man so will, schenkt die Bundesrepublik dem Reich der Mitte praktisch eine mittelgroße Hochschule.
Nach der Vorstellung der nordrheinwestfälischen und Berliner Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart und Jürgen Zöllner sollen Kandidaten aus dem außereuropäischen Ausland künftug für ein Studium un Deutschland kräftig zahlen.
Auf Unverständnis stößt ihr Vorschlag beim Bundesverband ausländischer Studierender (BAS).Gute Studienbedingungen für ausländische Studierende seien keine Wohltaten, sondern "nachhaltige Investitionen in den Wirtschaftsstandort Deutschland", so der BAS.
Denn für die Gäste galten bislang dieselben finanziellen Bedingungen wie für Inländer: Wie auf alle Studenten kommen auf sie Studiengebühren von maximal 1000 Euro im Jahr zu. Ist das Studium dagegen kostenfrei, gilt das auch für sie. Den Großteil der Kosten für ein Studium, die sich auf mindestens 6000 Euro pro Kopf und Jahr belaufen, bezahlt der deutsche Steuerzahler.
Doch auch der Exportweltmeister China vergibt Studienplätze an ausländische Studierende, zum Beispiel aus Ländern wie dem ölreichen Sudan, aber eben auch an Deutsche. Zudem schickt die Pekinger Regierung regelmäßig 5000 seiner besten Doktoranden mit eigenen Stipendien in die weite Welt. Stellt sich die Frage: Wieso gibt es dann hierzulande noch immer zehntausende Freikarten für chinesische Studis?
Mit ihrem Ruf nach mehr finanzieller Selbstbeteiligung der jungen Ausländer stehen die Minister Pinkwart und Zöllner international nicht allein. So hat die schwedische Regierung Anfang dieser Woche bekanntgegeben, dass Studierende ohne europäischen Pass ihren Studienplatz ab kommendem Jahr selbst finanzieren müssen - ohne jeden Steuerzuschuss. Schweden nimmt mit den Extra-Gebühren bewusst in Kauf, dass die Studiennachfrage unter ausländischen Studierenden schwindet.: Im Vorjahr wurden dort nur 18000 Nichteuropäer zugelassen; die Bewerberzahl lag sechs Mal höher.
Die deutsche Situation sieht dagegen anders aus. Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) hatte jüngst noch proklamiert, den Anteil ausländischer Studierender an allen Studenten auf mindestens zehn Prozent hochschrauben zu wollen. Deutschland soll zur weltweit anerkannten Bildungs- und Wissenschaftsnation aufsteigen. Noch sind wir davon weit entfernt. Dank gezielter Werbung hat sich die Ausländerzahl seit der Jahrtausendwende immerhin fast verdoppelt. Naheliegend, dass eine spezielle Fremdengebühr nur schwerlich an die hochschulpolitische Zehnermarke heranführt. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, kleidet die Paradoxie entsprechend in die Frage: "Soll jetzt eine Preiserhöhung die Nachfrage nach Studienplätzen stimulieren?" Darüber hinaus hält er eine Unterscheidung zwischen reichen und armen Ausländern in den meisten Fällen ohnehin für praktisch unmöglich. "Wir können von den Studierenden und ihren Eltern oder der Großfamilie etwa in Afrika oder Ostasien keinen Einkommenssteuerbescheid verlangen." Ein Indiz dafür, ob ein Student gut situiert ist, könnten vielleicht noch die 16000 Euro sein, die eine freiwillige Studienvorbereitung im sogenannten Freshman Year an der Fachhochschule Aachen kostet. Gegenwärtig leisten sich rund 200 internationale Kandidaten das hierzulande einzigartige Fitness-Training. Im anschließenden Fachstudium verlangt Minister Pinkwart von ihnen (noch) keine besondere Studiengebühr. Vielmehr unterstützt er 40 dieser Freshmen und -women im Namen der Bestenauslese mit jeweils 5000 Euro. Reich sein und gut sein - das also ist das wirkliche Erfolgsrezept an Rhein und Ruhr.
Doch wenn sie schon so viel Geld wie an amerikanischen oder australischen Universitäten zahlen sollen, können die Studierenden natürlich auch einen entsprechenden Rundum-sorglos-Service verlangen. Das International Department der Uni Karlsruhe ist dafür hierzulande das bislang einzige Beispiel an einer staatlichen Hochschule.
70 Studenten aus aller Welt absolvieren hier derzeit ein sechssemestriges Bachelor-Studium im Maschinenbau, auf Englisch. 54 von ihnen zahlen die volle Gebühr von 21000 Euro im Jahr, die anderen haben Teilstipendien. Im Preis inbegriffen ist eine internatsmäßige Unterbringung in einem historischen Herrenhaus von 1793. Der Unterricht findet in Seminaren mit höchstens dreißig Teilnehmern statt. Bisher gab es sechs Absolventengruppen, 95 Prozent der handverlesenen Anfänger kamen durch. Erfolg gilt dabei nicht nur als Intelligenz- und Übungsfrage. Für außerschulische Probleme etwa steht eine gelernte Sozialpädagogin zur Verfügung.
Der Betrieb trägt sich inzwischen selbst. "Wer so etwas wie bei uns aber neu aus dem Boden stampfen will, braucht einen zweistelligen Millionenbetrag", sagt Verwaltungsleiterin Birgitta Kappes. Im Karlsruher Modellfall hat zum Beispiel die baden-württembergische Landesbank das Wohnheim auf eigene Kosten saniert und zu einem Freundschaftspreis an die Uni vermietet. Mit dabei war auch der SAP-Mitbegründer und Multimillionär Hans-Werner Hector. Gönner wie ihn haben Pinkwart und Zöllner bislang noch nicht präsentiert.
Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.
Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.
Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.
Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.