Istanbul. Unter einem ausladenden Dach aus Solarzellen präsentiert der amerikanische Unternehmer Vern Wright auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul seinen Beitrag zur Lösung der Trinkwasserkrise. "Sauberes Wasser durch die Kraft der Sonne", ist das Motto seines Unternehmens DynGlobal. Es stellt eine mit Solarstrom betriebene Anlage her, die in zwei Stufen erst organische Verunreinigung und Keime, dann Schwermetalle aus dem Wasser filtert.
"Ein Liter so gereinigtes Wasser kostet weniger als zwei Cent. Es gibt auch in ärmeren Ländern die Bereitschaft, das Geld dafür auszugeben", sagt er. In Indien und Bangladesch laufe seine Anlage schon, auch in einigen afrikanischen Staaten. Das Gerät sei einfach aufzustellen und könne auch im Katastrophenschutz eingesetzt werden, sagt Wright, der im sonnigen Kalifornien seinen Firmensitz hat. Er gehört zu den Entwicklern, die auf technische Innovationen gegen eine drohende Wasserkrise setzen.
Hisafumi Shogi hantiert am Stand der Japan Water Works Association mit einem Gerät zur akustischen Prüfung von Wasserleitungen. "Jedes Jahr entscheiden wir neu, in welchem Rhythmus das Netz abgehorcht wird", sagt Shogi. Mit einem Programm regelmäßiger Kontrollen habe es Tokio geschafft, dass nur 3,3 Prozent des Wassers ungenutzt aus defekten Leitungen versickern, in anderen Teilen Japans sind es etwa mehr als zwei Prozent.
So geringe Netzverluste sind rekordverdächtig. In Deutschland gehen knapp sieben Prozent des Wassers verloren - und Deutschland ist im europäischen Vergleich Klassenprimus. In der EU und den USA gehen im Schnitt etwa 15 Prozent des Wassers verloren - durch Diebstahl oder undichte Leitungen. Im Gastgeberland Türkei verschwindet sogar etwa ein Viertel des Wassers auf diese Art. Milliardeninvestitionen sind nötig, um das Leitungsnetz auf den neuesten Stand zu bringen.
Und dann die Landwirtschaft: Sie verbraucht weltweit betrachtet etwa 70 Prozent des genutzten Süßwassers für die Bewässerung und ist der größte Verschwender. Dass der Wasserverbrauch für Agrarzwecke auch in Europa in den vergangenen 20 Jahren zugenommen hat, ist nach Überzeugung der EU-Umweltagentur (EEA) nicht zuletzt auf niedrige Preise zurückzuführen: Bauern hätten nur selten die "echten" Kosten von Wasser zu zahlen, heißt es in einem neuen Bericht der Agentur.
Ein modernes Bewässerungssystem stellt die israelische Firma Netafim in Istanbul vor. Es bedeutet den Abschied von traditionellen Methoden, bei denen das Wasser auf die Felder gesprüht wird oder Äcker geflutet werden. Stattdessen wird das weltweit zunehmend kostbare Nass über Schläuche in den Boden direkt an die Wurzeln geleitet.
Das Verfahren höre sich einfach an, sagt Ofer Oved, ein Wasserexperte von Netafim. Die Kunst besteht aber darin, den Druck im System zu regeln, damit im ganzen Netz die gleiche Menge Wasser austritt. "Wir bringen pro Stunde einen halben Millimeter Wasser auf die Fläche. Traditionelle Verfahren brauchen 20 Millimeter oder mehr", sagt Oved. Angesichts schwindender Ressourcen und einer zunehmenden Weltbevölkerung müsse auf moderne Methoden gesetzt werden, sagt er und deutet auf das Firmenmotto "Mehr anbauen mit weniger". (dpa)
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