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25. September 2012

Weinbau: Deutschland einig Rotweinland

 Von Joachim Wille
Deutsche Weinbauern müssen sich den Klimaveränderungen anpassen.  Foto: dpa

Ein Internet-Portal bietet Informationen über künftige Auswirkungen des Klimawandels. Für den Weinbau wird die Anpassung an die Veränderungen immer wichtiger.

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Merlot und Cabernet Sauvignon kommen in Zukunft nicht mehr aus Frankreich, sondern aus der Pfalz und dem Rheinland. Liebhaber von Riesling aus dem Rheingau oder von der Mosel aber schauen in die Röhre, denn dem kernigen Gewächs wird es zu warm. Das werden Folgen des Klimawandels in diesem Jahrhundert sein, mit denen man sich als Weinliebhaber noch verhältnismäßig leicht – und vor allem spontan – arrangieren kann.

Anders ist es jedoch für die Weinbauern, die langfristig planen müssen, um mit den richtigen Rebsorten am jeweiligen Standort erfolgreich zu sein. Ohne einen durchgreifenden globalen Klimaschutz werden sich die mittleren Temperaturen in Deutschland bis zum Jahr 2100 um 3,6 bis 4,1 Grad Celsius erhöhen. Bisher beträgt die Erwärmung „erst“ rund ein Grad gegenüber vorindustrieller Zeit.

Neue Rebsorten gefragt

Für den Wirtschaftszweig Weinbau, dessen Erträge in Deutschland wegen des wärmeren Klimas bei guter Anpassung sogar ansteigen können, wird die Anpassung an die Klimaveränderungen immer wichtiger. Eine Rebsorten-Umstellung nach üblichen Standzeiten von 25 bis 30 Jahren ist teuer und muss mit Weitblick geplant werden.

Doch nicht nur Weinbauern müssen umdenken. Die Land- und Forstwirtschaft insgesamt ist von dem im historischen Vergleich extrem rasanten Wandel besonders betroffen, ebenso die Bereiche Bau- und Wasserwirtschaft sowie die Energieversorgung. Wichtige Parameter werden beeinflusst, etwa die Ernte- und Holzerträge oder die Verfügbarkeit von Kraftwerken.

Bisher sind die Informationen zu den regional zu erwartenden Klimaveränderungen in vielen wissenschaftlichen Studien, Prognosen und Szenarien verstreut vorhanden. Für die Entscheidungsträger vor Ort – wie Bürgermeister, Energiemanager, Stadtplaner, Landwirte und Förster – ist es jedoch höchst kompliziert bis unmöglich, konkrete Informationen darüber für die jeweilige Region einzuholen.

Das soll nun anders werden, dank eines Internetprojekts, das vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zusammen mit dem Bonner Internet-Portal Wetter-Online erarbeitet wurde. Die Plattform „KlimafolgenOnline.com“ wird es ermöglichen, die nötigen Informationen für alle Regionen Deutschlands im Zusammenhang abzurufen – und zwar bis auf die Ebene der Landkreise und für die einzelnen Jahrzehnte in diesem Jahrhundert. Das Portal bietet Informationen zu den Themen Klima, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Hydrologie, Energien und Tourismus.

Vorgestellt wurde das Projekt am Montag auf einer Konferenz an der Humboldt-Universität in Berlin. Für jedermann geht das neue Portal allerdings erst am 1. Dezember online. Die Informationen sind dann sogar ohne Benutzerregistrierung zugänglich. Denn das PIK wünscht sich möglichst viele Nutzer. „Ein Landwirt zum Beispiel kann Informationen zu Temperatur- und Niederschlagsänderungen für sein Feld abrufen“, erläutert Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Professor am PIK. „Direkt danach sieht er die Auswirkungen auf Erträge für verschiedene Feldfrüchte und auf das Ernterisiko.“

Deutschland steckt Treibhauseffekt relativ gut weg

Im zunehmend trockener werdenden Brandenburg zum Beispiel kann es in den nächsten Jahrzehnten angezeigt sein, vom Maisanbau auf Grünland-Nutzung umzusteigen. Ein anderes Beispiel ist die Energiewirtschaft. Kraftwerksplaner können sich informieren, wie häufig ihre Anlagen künftig etwa im Sommer abgeschaltet oder gedrosselt werden müssen, weil das aus den Flüssen stammende Kühlwasser zu warm ist oder nicht mehr ausreichend davon vorhanden ist. „Dieses Problem wird auf jeden Fall häufiger auftreten“, sagt Gerstengarbe.

Die in Berlin vorgestellten aktuellen Ergebnisse der Klimaforschung zeigen allerdings, dass Deutschland, verglichen mit Ländern in anderen Erdregionen, relativ gut mit den Folgen des verstärkten Treibhauseffekts umgehen kann, Anpassung vorausgesetzt. Neben gefährlichen Entwicklungen – etwa mehr extremen Hitzewellen wie im Jahrhundertsommer 2003, mehr Überschwemmungen durch häufigere Stark-Regenfälle und einem Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter oder mehr – erwarten die Experten durchaus auch positive Veränderungen. Die Erträge der Landwirtschaft können sogar leicht steigen, wie anhand der beiden wichtigsten Kulturen, Winterweizen und Mais, gezeigt wurde.

Das liegt unter anderem am CO2 -Düngungseffekt. Der erhöhte Anteil des Treibhausgases in der Luft lässt die Pflanzen schneller wachsen. Auch der Holzzuwachs in den Wäldern nimmt zu. Allerdings wächst auch die Gefahr, dass die Stabilität der Wälder durch mehr Stürme, Dürreperioden und Schädlingsbefall negativ beeinflusst wird.

[ Die Entwicklung Frankfurts zum Nachlesen - in fünf Heften. Unsere Sonderreihe FR-Geschichte. ]

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