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18. Dezember 2012

Weltuntergang am 21. Dezember: Angst beflügelt Geschäfte an vielen Orten

Maya-Kultort Chichen Itza (Archivbild). Foto: dapd

Die von Verschwörungstheoretikern beschworene Angst vor dem Weltuntergang beschert manchen Orten volle Hotels und blühende Geschäfte von Mexiko bis in die Türkei.

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Seit Jahren leidet der mexikanische Badeort Cancún unter den Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise. Doch in den kommenden Tagen werden die Hotels endlich wieder fast voll sein. Zu verdanken haben die Hoteliers den Besucheransturm ausgerechnet jenen Propheten, die für den 21. Dezember das Ende der Welt vorhersagen. An diesem Tag endet ein Zyklus im Kalender der einstigen indianischen Hochkultur der Maya - das Maya-Datum ist mit der Jahrtausendwende unserer Zeitrechnung vergleichbar.

188 Kilometer von Cancún entfernt liegt die Ausgrabungsstätte Chichén Itzá, eine der berühmtesten Ruinenstätten der Maya auf der Halbinsel Yucatán, bekannt vor allem durch ihre Stufenpyramide. Dort werden am 21. Dezember die meisten Touristen aus dem In- und Ausland erwartet - zu einer großen Zeremonie, bei der alte Maya-Rituale aufgeführt werden. Die Hotels in Cancún bieten Komplettpakete für die kommende Woche an mit Exkursionen zu archäologischen Ausgrabungsorten.

Die Interpretation des Maya-Kalenders, wonach am 21. Dezember 2012 die Welt untergehen soll, weisen Wissenschaftler und nicht zuletzt die Ureinwohner selbst vehement zurück. Aber Wissenschaft hin oder her - Reiseveranstalter in ganz Zentralamerika freuen sich über den Rummel um die vermeintliche Apokalypse.

Hollywood beflügelt Geschäft

Neben Mexiko sind noch in vier weiteren Ländern Feierlichkeiten zum Ende des Zyklus in der „Langen Zählung“ des Maya-Kalenders geplant, Millionen von Touristen werden zu den Feiern mit Ritualen, Konzerten und Feuerwerken an insgesamt rund 40 archäologischen Stätten erwartet. Neben Chichen Itzá wird das Datum etwa auch an den weltberühmten Stätten von Tikal in Guatemala und Copán in Honduras begangen. In Tikal wird der guatemaltekische Präsident Otto Pérez dabei sein, in Copán sein honduranischer Kollege Porfirio Lobo.

Ohne Mel Gibsons Hollywood-Film „2012“, in dem einem Millionenpublikum der vermeintliche Weltuntergang nach dem Ende des Zyklus in der „Langen Zählung“ vorgeführt wurde, wäre der Wirbel um das Datum wohl bei weitem nicht so groß. Darüber, dass nicht allzu viel Unsinn mit der Zeitrechnung der Maya getrieben wird, wacht in Mexiko das Nationale Institut für Archäologie und Geschichte (INAH). „Jede Werbekampagne der Tourismusbehörde muss mit uns abgestimmt sein“, sagt José Luis Romero vom INAH.

Weltuntergang kein Thema für Maya

Mit Veranstaltungen über die mathematischen und astronomischen Kenntnisse der Maya versucht das Institut, den Weltuntergangspropheten etwas entgegenzusetzen. „Die Maya hatten eine zyklische Vorstellung von Zeit. Mit dem Weltuntergang beschäftigten sie sich nicht“, sagt Romero.

Nicht nur Wissenschaftler, auch Ureinwohner stören sich an der Falschinterpretation des alten Kalenders - und vor allem an dem Kommerz, der damit betrieben wird. „Die Welt ist geprägt davon, wie Hollywood dieses Datum interpretiert, ohne wirklich etwas darüber zu wissen“, sagt Álvaro Pop, der sich in Guatemala für die Belange der indigenen Bevölkerung einsetzt. „In der Kultur der Maya waren die Gelehrten niemals Propheten, deshalb sollte auch niemand Vorhersagen interpretieren, die es gar nicht gibt.“

Nachfahren der Maya feiern allein

Die Nachfahren der Maya bereiten für den 21. Dezember eigene Feierlichkeiten vor, unabhängig von den offiziellen Veranstaltungen. Sie werden sich in fünf Städten und an sechs für sie heiligen Orten versammeln. Die offiziellen Feiern interessierten sie nicht, sagt die Maya-Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú der Nachrichtenagentur AFP. Sie interessiere allein der „Grad an Spiritualität“, mit dem die Mayas selbst in ihren eigenen, „authentischen“ Zeremonien das Datum begehen wollten.

Besucheranstrum in Sirince

Auch auf der anderen Seite der Welt sorgt der Weltuntergangsrummel für einen Besucheransturm. Ein kleines Dorf in der Türkei in der Nähe von Ephesos erlebt zum ersten Mal, dass alle 400 Hotelbetten des 600-Seelen-Dorfes komplett ausgebucht sind, wie der Hotelier Ilkan Gülgün laut Presseberichten in Sirince erzählt. Einige Menschen glaubten, „dass die Energie von Sirince sehr mächtig ist“. „Sie glauben, dass die Energie sie an einen anderen Bestimmungsort im Kosmos bringt“, fügte Gülgün hinzu.

Sirince liegt in der Nähe von Ephesos. Dem Ort werden positive Energien zugeschrieben, weil von dort die Jungfrau Maria in den Himmel aufgefahren sein soll. Sirince lockt aber auch mit seinen aufwendig renovierten weißen Bauwerken und seinem Wein Besucher, insbesondere wohlhabende Türken, an.
Aus dem Weltuntergangstourismus will auch der Unternehmer Erkan Önoglu Profit ziehen. Seit ein paar Tagen verkauft er in seinem Laden einen „Weltuntergangswein“, wie die Zeitung „Radikal“ berichtete. (afp)

Maya-Konzert in Dresden

Die rund 200 Tickets für das exklusive „Konzert zum Ende der Zeit“ seien im Nu vergriffen gewesen, sagte Sinfoniker-Intendant Markus Rindt. Die Dresdner Sinfoniker haben mit Künstlern aus Mexiko und Guatemala ein Maya-Konzert geplant. Der Auftritt ist am 21. Dezember weltweit zu erleben. Die Musik wird in Sachsens Landesbibliothek erklingen, wo eine von drei erhaltenen Maya-Handschriften lagert. Außerdem werden der Internet-Sender Arte Live Web und zwei Rundfunksender das Konzert übertragen. Mit der Aufführung begrüßen die international besetzten Sinfoniker das neue Maya-Zeitalter, das nach Lesart mancher Esoteriker zugleich den Weltuntergang bedeutet. Künstler aus Mittelamerika werden um Mitternacht live zugeschaltet. (dpa)

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