Hellseher, Maya-Priester und Schamanen: An positiven Schwingungen wird es am vermeintlichen Weltuntergang kommende Woche nicht fehlen, wenn das Hamburger Völkerkundemuseum zur „Weltübergangsparty“ lädt. Anlass ist das viel beschworene Ende des Maya-Kalenders am 21.12.2012 und die damit einhergehende Apokalypse.
Am 21. Dezember 2012 endet im Maya-Kalender ein sogenannter Bak'tun-Zyklus. Ein „Bak'tun“ ist ein 144.000 Tage dauernder Zeitabschnitt, der 21. Dezember markiert den Übergang vom 13. auf den 14. „Bak'tun“. Hinweise auf das Datum finden sich auf einer mehr als 1300 Jahre alten Inschrift, die in der Maya-Ruinenstätte Tortuguero in Süd-Mexiko entdeckt wurde. In Guatemala hatten Archäologen kürzlich einen zweiten Maya-Text entdeckt, der auf den 21. Dezember verweist. Die Befürchtung, dass die Maya für diesen Tag den Weltuntergang prophezeit hätten, wurde allerdings von zahlreichen Wissenschaftlern zurückgewiesen. Vielmehr markiert dieses Datum den Experten zufolge den Wechsel von einer langen Zeitperiode zur nächsten, vergleichbar mit dem Übergang vom Jahr 1999 auf das Jahr 2000. Eine rund 800 Jahre alte Maya-Handschrift wird im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden aufbewahrt. Der Dresdner Codex ist eine von drei noch existierenden Maya-Handschriften weltweit und wird als einzige der Handschriften öffentlich gezeigt. Der 21. Dezember wird in diesem Dokument nicht erwähnt.
Dabei wussten die Maya selbst lange Zeit nichts von ihrem Schicksal. „Das Datum spielte bei den Maya bis vor wenigen Jahren keine Rolle“, sagt der Hamburger Professor für Lateinamerika-Studien, Bernd Schmelz, am Donnerstag bei der Vorstellung der Veranstaltung. Doch das Volk mache das Beste aus dem weltweiten Spektakel: Es feiere mit.
So reisen nächste Woche auch zwei Maya-Priester aus Guatemala auf Einladung des Hamburger Museums für Völkerkunde nach Deutschland, um mit der hiesigen Bevölkerung den Tag der Tage zu begehen. Das Museum ist nach eigenen Angaben die einzige Einrichtung im Bundesgebiet, die mit echten Maya-Priestern aufwarten kann.
Für dieses Privileg hat das Museum keine Kosten und Mühen gescheut: Für die beiden Geistlichen, die in Guatemala leben, ist es die erste Auslandsreise überhaupt. Einen Pass hatten sie bislang nicht. Um einen zu beantragen, mussten sie eine Tagesreise in die Hauptstadt Guatemala-Stadt unternehmen. „Es ist den Priestern selbst sehr wichtig, sich hier bei uns zu präsentieren“, betont Schmelz, der in den vergangenen zehn Jahren mehrfach in Guatemala war. Wenn alles klappt, werden die Priester am Mittwoch in der Hansestadt landen.
Im Gepäck haben diese dann auch Maya-Musikinstrumente und den Räucherharz Kopal. Dieser ist bei Zeremonien der Maya sehr wichtig und in der Anwendung mit Weihrauch zu vergleichen. „Ich hoffe nur, dass der Zoll den Priestern das Kopal nicht abnehmen wird“, äußert Schmelz Bedenken. Das feierliche Maya-Ritual soll im Innenhof des Museums, das einen Teil seiner Ausstellung dem Leben der Maya widmet, abgehalten werden. Dafür wird in einem Steinkreis ein Feuer angezündet. Kerzen, Blumen und Essen sollen das Ensemble abrunden.
Dabei glauben die Experten im Museum selbst nicht an einen Weltuntergang: „Das ist ein Missverständnis aus den 60er-Jahren“, sagt der Ethnologe Lars Frühsorge. Hintergrund dieses Missverständnisses sei der Glaube der Maya, dass nach der Zerstörung einer Welt eine neue entsteht. Vor einem halben Jahrhundert habe ein Wissenschaftler dann die These aufgestellt, dass das aktuelle Zeitalter der Maya genauso lange existieren werde wie das vergangene - also exakt 5.200 Jahre. Und die wären am 21.12.2012 rum.
Andere Autoren nahmen diese Idee auf und entwickelten sie weiter. „Diese Theorien basieren aber weniger auf Quellen der Maya, sondern berufen sich auf die Bibel, fernöstliche Lehren oder Visionen der Autoren nach dem Konsum halluzinogener Drogen“, kommentiert das Museum die Entwicklung. Inzwischen seien Inschriften gefunden worden, die eindeutig belegten, dass die Maya schon lange an einen Fortbestand ihrer Welt jenseits des 21.12.2012 glaubten.
Der „Codex Dresdensis“ lagert in der Schatzkammer der Dresdner Bibliothek und besteht aus 39 ursprünglich als Leporello gefalteten Blättern aus Feigenbaumrinde, die zusammen rund 3,50 Meter lang sind. Der Kodex ist nach Bibliotheksangaben eines der bedeutendsten schriftlichen Zeugnisse der vorspanischen Zeit in Amerika. Die im 13. Jahrhundert entstandene Dresdner Maya-Handschrift gilt als älteste der drei weltweit erhaltenen Maya-Kodices.
Dennoch ist das Datum inzwischen auch für die weltweit etwa sechs Millionen Maya von großer Bedeutung: „Für diese ist es wie der Beginn eines neuen Jahrtausends, wie bei uns damals das Millennium“, erklärt Frühsorge. Das Datum werde als einschneidendes Erlebnis gefeiert, als Aufbruch in neue Zeiten.
„Es heißt, die Maya-Götter haben gerne Party gemacht“, sagt Frühsorge und lacht herzlich. Unter diesem Vorzeichen müsse auch die Feier am nächsten Wochenende verstanden werden. An eine Apokalypse glaubten die Maya nicht.
„Aber es gibt tatsächlich Leute, die wirklich Angst vor einem Weltuntergang haben“, berichtet Professor Schmelz. Einige davon seien sogar bei ihm vorbeigekommen und hätten um Rat gefragt. Dann habe er beschwichtigt: „Natürlich geht die Welt irgendwann unter, aber nicht jetzt“, sagt er. Humorvoll wird es wohl auch bei der Party im Völkerkundemuseum zugehen, zu der mehr als 1000 Gäste erwartet werden.
Neben den Maya-Priestern hat das Museum auch einen amerikanischen Schamanen engagiert, der trommelnd und singend die Wintersonnenwende feiern wird. Darüber hinaus schauen Hellseher und Tarotkartenleger in die Zukunft. Klangmassagen, Tai-Chi, ein marokkanisches Tee-Ritual, Konzerte und Vorträge runden das Programm ab. Mitgestaltet wurde dieses vom Hamburger Buchhändler und Experten für Esoterik, Jürgen Lipp. Er fasst den Auftrag für den Abend so zusammen: „Es soll keine Party im Rausch werden, sondern eher eine, bei der die Menschen zur Besinnung kommen.“ (dapd)
Twitteruser Anna Mantis schreibt: "Das erste Mal dieses Jahr 'Last Christmas' hören während man eingepfercht im Bus steht. Wo ist der Weltuntergang wenn man ihn mal braucht?"
Da kommt es her das scheinbare Wissen der Verschwörungstheoretiker über das Ende der Welt 2012: Seiten aus der Maya-Handschrift "Codex Dresdensis".
Foto: dapd
Am 21. Dezember 2012 geht der Kalender der mittelamerikanischen Maya-Indianer zu Ende – und damit die ganze Welt, wie manch einer vermutet. Wer der Apokalypse mit Schrecken entgegen sieht, sollte sich rechtzeitig gut überlegen, wie er sie übersteht. Der Lonely-Planet-Reiseführer hat mit einem Augenzwinkern ein paar Orte zusammengestellt, die einen vor dem sicheren Tod bewahren sollen.
Foto: dpa
Es gibt sie - moderne Arche Noah-Vehikel für das Ende der Welt. Allerdings im fernen China. Hier entsteigt der Farmer Liu Qiyuan einer von sieben Rettungskugeln in der Stadt Qiantun südlich von Peking.
Foto: AFP
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