Die Geschichte von Pinocchio, dessen Nase wächst, wenn er lügt, ist nicht ganz ein Märchen. Tatsächlich verändert sich etwas im Gesicht, wenn jemand nicht die Wahrheit sagt. Das haben Psychologen der Universität Granada in Spanien herausgefunden. Sie nutzten Wärmebildkameras, um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Gefühlen und der Körpertemperatur zu erforschen.
Schwindelte einer der Probanden, wurde es rund um seine Nase und im inneren Augenwinkel wärmer. Gleichzeitig beobachteten die Forscher die Aktivität in der Inselrinde (Cortex insularis). Sie nehmen an, dass diese Hirnregion besonders aktiv ist, wenn wir Gefühle empfinden, die wir subjektiv als „echt“ bezeichnen würden. Denn: Je aktiver die Inselrinde war – das heißt, je ehrlicher die Person das empfand, was sie sagte – desto weniger veränderte sich die Temperatur der Nase.
Frühere Studien haben ergeben, dass Menschen sich häufig an die Nase fassen, wenn sie schwindeln. Forscher der Universität Illinois analysierten, dass sich Bill Clinton bei seiner Aussage zur Lewinsky-Affäre 26 mal an die Nase griff und das immer dann, wenn er nicht die Wahrheit sagte. Beim Lügen setze der Körper Hormone frei, die die Nasenschleimhaut anschwellen lassen, berichten die Psychiater Alan Hirsch und Charles Wolf. Dadurch könne die Nase auch jucken – fast unmerklich, aber ausreichend, damit sich der Lügner häufiger an den Zinken fasse.
Die spanischen Wissenschaftler fanden mit ihren Wärmebildkameras auch heraus, dass die Temperatur des äußeren Gesichts kälter wird, wenn die Versuchsteilnehmer eine besonders schwierige geistige Aufgabe lösen mussten. Bei einer Panikattacke wurde sie dagegen wärmer. Sexuelle Erregung lässt sich bei Männern und Frauen gleichermaßen an einer Erhöhung der Temperatur im Brust- und Genitalbereich erkennen.
Außerdem untersuchten die Psychologen die Körpertemperatur bei verschiedenen Tanzstilen, wie Aerobic, Flamenco oder Ballett. Sie fanden heraus, dass jeder Tanz sein eigenes Wärmeprofil hervorbringt. Beim Flamenco sank die Temperatur im Bereich des Gesäßes, in den Unterarmen wurde es dagegen wärmer.
Die Wissenschaftler führen das nicht nur auf die jeweils körperlichen Anforderungen eines Tanzes zurück, sondern auch auf die Gefühle und den mentalen Zustand, die beim Tänzer durch Musik und Bewegungen ausgelöst werden. „Das Wärmeprofil erlaubt uns auch zu sehen, was eine Person fühlt oder denkt“, sagt die Psychologin Elvira Salazar López. Die genauen Zusammenhänge müssten allerdings erst noch genauer erforscht werden.
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