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13. April 2010

Wissenschaft: "Mehr Freiraum für junge Talente"

"Internationale Vernetzung ist unglaublich wichtig": Tilman Brück.Foto: privat

Tilman Brück vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung über junge Wissenschaftler, die alternde Gesellschaft und wer als Top-Nachwuchforscher gelten kann.

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Zur Person

Tilman Brück (39) leitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin die Abteilung Weltwirtschaft. Der Entwicklungsökonom ist Mitbegründer der Global Young Academy. Außerdem ist er Mitglied und zurzeit Sprecher der vor zehn Jahren ins Leben gerufenen Jungen Akademie, die vor zehn Jahren von der Berlin.

Die Global Young Academy (GYA) will exzellenten Nachwuchsforschern ein Forum bieten. Angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel soll sie den internationalen Dialog voranbringen und Forschern aus Schwellenländern den Rücken stärken.

Die Akademie im Internet:

www.globalyoungacademy.org

Herr Professor Brück, warum brauchen junge Wissenschaftler eine eigene Akademie?

Sie stehen oft viel zu lange im Schatten der älteren, etablierten Wissenschaftler. Die älteren Kollegen bekommen einen Großteil des Forschungsgelds und sie haben es leichter, Artikel in renommierten Fachzeitschriften unterzubringen. Wer noch keine weißen Haare hat und keine lange Publikationliste vorzuweisen hat, dem bieten sich weniger Chancen - auch wenn er exzellente Ideen hat. Mit der Alterung der Gesellschaft und der Erhöhung des Rentenalters wird sich dieses Problem noch verstärken. Darum brauchen wir eine Organisation, die den Nachwuchs unterstützt.

In Deutschland gibt es ja bereits die Junge Akademie.

Mit der Jungen Akademie war Deutschland absoluter Vorreiter. Sie wurde vor zehn Jahren gegründet und ist sehr erfolgreich. Ich bin seit drei Jahren dabei und erlebe die Akademie als einen Ort der Freiheit, an dem eine unglaubliche Vielfalt an Projekten entsteht. In der Jungen Akademie macht Wissenschaft noch mehr Spaß als sonst.

Genügt nicht junge Akademien auf nationaler Ebene?

Die internationale Vernetzung ist unglaublich wichtig und findet noch viel zu wenig statt. Eine globale Akademie kann in dieser Hinsicht eine große Hilfe sein. Vor allem für junge Wissenschaftler aus Schwellenländern wird es immer schwieriger mitzuhalten. Sie werden international nicht wahrgenommen, wenn sie keine renommierte Institution im Rücken haben. Wir hoffen, diese Forscher so gut unterstützen zu können, dass sie ihre Arbeit in ihrer Heimat fortsetzen können und nicht darauf angewiesen sind, zum Beispiel in die USA auszuwandern.

Wer darf Mitglied werden?

Top-Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt. Sie sollten um die 35 Jahre alt sein, noch keine unbefristete Professur innehaben und an internationaler, interdisziplinärer und generationenübergreifender Arbeit interessiert sein. Um die Exzellenz der Akademie-Mitglieder zu sichern, soll es ein anspruchsvolles Auswahlverfahren geben. Insgesamt wird die Global Young Academy nicht mehr als 200 Mitglieder haben und die Mitgliedschaft ist auf vier Jahre begrenzt.

Welche Ziele hat sich die Akademie gesetzt?

Wir wollen dem wissenschaftlichen Nachwuchs mehr Freiraum verschaffen und zu bestimmten Themen die interdisziplinäre Forschung voranbringen. Wir wollen junge Akademiker fördern, bis das Alter von Wissenschaftlern weltweit keine Rolle mehr spielt.

Welche Themen gehen Sie an?

Die Themen werden nicht vorgegeben - es finden sich Arbeitsgruppen zusammen. Denkbar sind Projekte zum Klimawandel, zur globalen Gesundheitsfragen oder zur Rohstoffnutzung.

Wie finanziert sich die GYA?

Das steht noch nicht fest. Unterstützung erhoffen wie uns vom Interacademy Panel for International Issues (IAP) - dem internationalen Netzwerk der Wissenschaftsakademien. Das IAP war es schließlich auch, das den Anstoß zur Gründung der Global Young Academy gegeben hat. Ich hoffe, auch in Deutschland Geldgeber zu finden. Eine halbe Million Euro im Jahr ist nötig.

Interview: Anne Brüning

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