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Wissenschaftler wollen wieder an Supervirus forschen

Untersuchungen im Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen. Aus Angst vor Bioterrorismus legten Wissenschaftler Anfang 2012 alle Forschungen an einer hochgefährlichen Vogelgrippe-Variante vorübergehend auf Eis. Foto: Steffen Kugler
Untersuchungen im Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen. Aus Angst vor Bioterrorismus legten Wissenschaftler Anfang 2012 alle Forschungen an einer hochgefährlichen Vogelgrippe-Variante vorübergehend auf Eis. Foto: Steffen Kugler

New York. Aus Angst vor Bioterrorismus legten Wissenschaftler Anfang 2012 alle Forschungen an einer hochgefährlichen Vogelgrippe-Variante vorübergehend auf Eis. Jetzt erklärten sie das Moratorium in einem offenen Brief für beendet - außer in den USA.

Nach einem Jahr Unterbrechung wollen sie nun wieder forschen. Rund 40 Forscher erklärten ihre freiwillige Pause bei der Arbeit an dem Supervirus für beendet.

In Labor-Experimenten war vor mehr als einem Jahr ein sehr aggressives Virus entstanden, das sich unter Frettchen rasend schnell verbreitet hatte und viele von ihnen tötete. Aus Angst vor Bioterrorismus hatten die Wissenschaftler um Ron Fouchier von der Erasmus-Universität in Rotterdam im Januar 2012 die zunächst nur auf 60 Tage angelegte Pause angekündigt und sie dann verlängert. Während der Forschungspause sollten Maßnahmen entwickelt und beschlossen werden, die verhindern, dass diese gefährliche Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1 in falsche Hände gerät.

Die Ziele des Moratoriums seien in einigen Ländern bereits erreicht und in anderen kurz davor, hieß es in dem Brief, den die Wissenschaftler am Mittwoch (Ortszeit) in den Fachmagazinen «Science» und «Nature» veröffentlichten. «Deswegen erklären wir das freiwillige Moratorium bei der Forschung an der Übertragung von Vogelgrippe für beendet.» Das gelte allerdings nicht für die USA und amerikanisch finanzierte Studien in anderen Ländern, da dort noch keine Einigung über die weiteren Bedingungen der Forschung gefunden worden sei. Bei zahlreichen Konferenzen sei das Thema besprochen worden und die Weltgesundheitsorganisation WHO habe bereits Sicherheitsrichtlinien für die weitere Forschung erstellt, heißt es in dem jetzt veröffentlichten offenen Brief. Der H5N1-Erreger entwickle sich in der Natur weiter und könne gefährlich werden. «Wissenschaftler, die die Erlaubnis ihrer Regierungen und Institutionen haben, ihre Forschungen unter den angebrachten Sicherheitsbedingungen auszuführen, haben eine Verpflichtung gegenüber dem öffentlichen Gesundheitswesen, diese wichtige Arbeit wieder aufzunehmen.»

Wie gefährlich das Virus für den Menschen ist, wissen die Forscher noch nicht. Das Problem sei nun einmal komplex, hatte der US-Wissenschaftler Anthony Fauci kürzlich erläutert. Er leitet das Nationale Forschungsinstitut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) in Bethesda. «Zunächst einmal wissen wir bisher nur, dass das neue Virus bei Frettchen so einfach übertragbar ist. Wie das beim Menschen ist, ist ja noch gar nicht erforscht.» Beim natürlichen Erreger sei das Risiko der Übertragung von Mensch zu Mensch sehr gering, sagt Fauci. Aber wenn das neue Supervirus - und das vermuteten die Wissenschaftler - sich auch beim Menschen derart rasend schnell verbreiten würde, dann würde es eine enorme Gefahr darstellen. (dpa)

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