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Studie zu 9/11: Wut und Angst, kaum Trauer

Forscher der Uni Mainz untersuchten die Emotionen der US-Bürger am 11. September 2001.

Wut. Ein bisschen Angst. Noch kaum Trauer. Das waren die Gefühle, die im Laufe des 11. September 2001 die US-Amerikaner bewegten. Zumindest glauben Forscher der Uni Mainz, das herausgefunden zu haben. Das Team um Professor Mitja Back analysierte 573000 Pager-Texte von Medizinern, Staatsbediensteten, Technikern und Privatpersonen, die am 11. September von 6.45 bis 0.45 Uhr verschickt wurden. Zur Verfügung gestellt wurden sie bei Wikileaks, einer Internet-Plattform, die geheime Dokumente öffentlich macht.

„Natürlich konnten wir nicht hunderttausende Texte lesen“, erläutert Back. Das erledigte eine Software, die die Botschaften auf Angst-, Ärger- und Trauerwörter durchforstete. Ergebnis: Die Wut der Menschen stieg konstant an: Am Ende war der Zorn und Hass zehn Mal so groß wie zu Beginn, so Back. Angst und Trauer hingegen spielten im Vergleich kaum eine Rolle. Erst am Ende des Tages, als die Zahl der Opfer klarer wurde, gab es einen leichten Anstieg der Trauer. Unter verstärkter Angst litten die Verfasser der Pager-Texte nur kurz, immer dann, wenn sich etwas ereignete − die Türme einstürzten, oder American Airlines vom Verlust zweier Flugzeuge berichtete.

„Überraschend“ sei dieser Befund, sagt Back, der eigentlich „mit einer massiven Trauer- oder Angstreaktion gerechnet hatte, statt mit einem dramatischen Anstieg der Wut.“ Diese äußerte sich etwa in Botschaften wie „Now is the time to strike back at these bastards.“ (Es ist Zeit, gegen diese Bastarde zurückzuschlagen.)

Die Studie soll helfen zu verstehen, wie Menschen emotional auf schockartige Ereignisse reagieren. So sei die große Wut interessant: „Ärger ist eine Emotion, die aktiviert, die hilft, die Kontrolle zurückzugewinnen“, sagt Back. Infolgedessen könnten die Erkenntnisse auch dazu beitragen, nachzuvollziehen, was genau zu den weitreichenden Konsequenzen des 11. September führte − von der Angriffspolitik Bushs in Afghanistan und Irak bis zu Diskriminierung und Beschneidung von Bürgerrechten. „Der Wunsch nach Rache bei vielen US-Bürgern ist naheliegend, wenn schon am Tag des Ereignisses Wut, nicht Trauer, dominierte“, so Back.

Autor:  Frauke Haß
Datum:  2 | 9 | 2010
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