Aktuell: Olympische Spiele | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Fußball-WM 2014
Deutschland, die DFB-Elf und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

04. Juli 2014

Deutschland - Frankreich 1:0: Mit Disziplin und Hingabe ins Halbfinale

 Von  und 
Jubel nach dem Sieg: Sami Khedira (r.) und Benedikt Hoewedes (l.) freuen sich mit ihren Mannschaftskollegen über den Einzug ins Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft.  Foto: afp

Bereits das dritte Standardtor dieser WM beschert Deutschland durch den überragenden Mats Hummels einen hart erkämpften 1:0-Sieg über Frankreich. Am kommenden Dienstag um 22 Uhr deutscher Zeit steht nun in Belo Horizonte das Halbfinale auf dem Spielplan.

Drucken per Mail
Rio de Janeiro –  

Die Sicherheitsketten vor der berühmtesten Fußballarena der Welt waren so dicht gestellt, dass kein Stürmer der Welt es widerstandslos hindurch geschafft hätte. Wer zum Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich ins Maracanã-Stadion wollte, wurde bestimmt ein Dutzend  Mal von abwechselnd finster und freundlich dreinschauenden Militärpolizisten aufgehalten.

So ähnlich agierte Deutschland dann auch in der Beschattung französischer Offensivspieler und steht nach dem 1:0 (1:0) zum vierten Mal in Folge in einem WM-Halbfinale. Es findet am kommenden Dienstagabend (22 Uhr MESZ)  in Belo Horizonte statt. Anders als bisher bei dieser WM kam Deutschland vor 74.240 Zuschauern nur selten zwingend vor das gegnerische Tor. Zu sehr waren sie alle miteinander mit der Abwehrarbeit beschäftigt, die sie vorbildlich erledigten. 

„Wir saßen dem Gegner ständig im Nacken und haben ihn bearbeitet“, freute sich der zuletzt viel kritisierte Joachim Löw hinterher eher verhalten, „wir waren aufsässig.“ Genau das war auch der Plan gewesen: Um die flinken Franzosen aufzuhalten, hatte der Bundestrainer ordentlich mit dem Kochlöffel in der zuvor trüben Suppe gerührt.

Er tat das nach einer Rezeptur, die so niemand hatte erwarten können: Philipp Lahm als rechter Verteidiger, wie vielfach mit zunehmend fordernder Stimmlage aus der Heimat Richtung Bundestrainer angewiesen, eine wiederum neu zusammengesetzte Innenverteidigung mit Mats Hummels und Jerome Boateng – Per Mertesacker somit überraschend als Bankdrücker – Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger gemeinsam im Mittelfeld und Miroslav Klose neu im Angriff.

Kühne und überraschende Formation

Es war eine kühne und überraschende Formation, die Fall von Mertesacker allein mit dessen mangelnden Sprintqualitäten zu tun hatte.  Er habe „gesehen, dass die Franzosen Spieler haben, die eine gute Schnelligkeit haben“, begründete Löw den Austausch in einer zentralen Position, in der Trainer normalerweise nicht gern wechseln. Dass Löw deshalb die rechte Seite der Verteidigung komplett umwarf, dürfte auch eine Reaktion auf die gegen Algerien viel zu vielen notwendigen Ausflüge von Torwart Manuel Neuer angesehen werden. Die sollten mit einer schnelleren Abwehr diesmal verhindert werden – für Mertesacker ein hartes Los.

Die Aufstellung stellte aber auch ein nicht unerhebliches Risiko dar, weil Löw die drei mit Fitnessrückstand  in die Vorbereitung gegangenen Schweinsteiger, Khedira und Klose gemeinsam in die Startelf steckte. Die bange Frage lautete: Wie gut würden sie durchhalten? Die Antwort war eindrucksvoll: Vor allem Schweinsteiger und Khedira leisteten ein unerhörtes Pensum ab. 

Es war nach Frühnebel ein heißer Tag in Rio de Janeiro geworden, die Sonne brannte zur Mittagszeit unerbittlich in das wohl monumentalste Stadion weltweit. „Die Sonne hat brutal geknallt“, bestätigte der diesmal starke linke Außenverteidiger Benedikt Höwedes, „Ende der ersten Halbzeit sind uns die Kräfte etwas abhanden gekommen. Aber dann haben wir in der Kabine wieder aufgetankt.“

Schweinsteiger und Khedira waren gut beraten gewesen, eine sehr ökonomische Spielweise zu wählen und Hochgeschwindigkeits-Sprints so weit wie möglich zu unterlassen. Gemeinsam mit Toni Kroos zogen sie zunächst ein zuverlässiges Passspiel auf, ehe sie mit fortschreitender Spielzeit immer mehr mit Verteidigungsarbeit beschäftig wurden.

Der Ball ist im Tor: Mats Hummels schießt in Minute 13. das 1:0 für Deutschland.  Foto: afp

Für das entscheidende Tor benötigte die DFB-Elf einen Freistoß aus dem Halbfeld, um sodann bereits zum dritten Mal bei dieser WM durch einen Standard erfolgreich zu sein. Zum zweiten Mal traf Mats Hummels (12.) per Kopf, wie schon gegen Portugal wiederum nach Vorarbeit von Kroos. „Die Bälle von Toni sind einfach gut geschlagen“, lobte der Torschütze, der auch zum „Man oft he Match“ gewählt wurde,  eine Auszeichnung, die er sich nicht nur durch das Tor redlich verdient hatte.   

Plan der Franzosen war es, die deutsche Abwehr herauszulocken und  sodann mit gefühlvollen Bällen zu überchippen. Das gelang ein paar Mal, wiewohl der überragende Hummels und Boateng sehr aufmerksam verteidigten. Manuel Neuers Können musste diesmal mehr im eigenen Strafraum abgerufen werden, auch, weil die deutsche Innenverteidigung tiefer stand als noch beim Harakiri-Spiel gegen Algerien. „Unser Plan war es“, erklärte Kroos hinterher, „die Franzosen etwas kommen zu lassen und dann über eigene Ballgewinne herauszukommen.“ 

Frankreich musste in der zweiten Halbzeit mutiger werden, die Deutschen zogen sich jedoch nach Ballverlusten mit Disziplin kollektiv zurück, arbeiteten gemeinsam hart und unerbittlich und griffen, wie  erst Khedira sowie später auch Schweinsteiger, in der größten Not auch mal zum taktischen Foul. Neuer blieb mehrfach aufmerksam.

Schweinsteiger  hielt seine Laufarbeit hoch und merzte eigene Fehler vorn hinten höchstpersönlich wieder aus. Auch bei den Franzosen war der Kräfteverschleiß zunehmend unübersehbarer.  Sie wehrten sich verzweifelt, aber am Ende erfolglos. Und sie wären schon früher geschlagen gewesen: Aber der für Klose eingewechselte André Schürrle vergab bei einem Konter in der 82. Minute eine vorzeitige Entscheidung.

Fast wäre das bestraft worden, doch Neuer patschte den Schuss von Karim Benzema in der 94. Minute weg wie eine lästige Fliege. Deutschland, so hat es den Anschein, kann sich auf seine Defensive wieder verlassen. Und auf seinen Torwart ja sowieso.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier

Deutschland, die DFB-Elf und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

Sport

Fußball-WM - Livecenter

Fußball-WM

Spielticker | Spielplan | Teams | Statistik | Stadien

Alle aktuellen Informationen zur WM - jederzeit in unserem Livecenter: Sämtliche Spiele im Ticker - mit Aufstellung, Statistik zu Ballbesitz, Torschüssen, Zweikämpfen, Ecken und Fouls. Alle Hintergründe in unserem Dossier.

Weblog
Die FR auf Ihrem Smartphone

Unterwegs top informiert - holen Sie sich FR-Online.de aufs Handy. Neben News bekommen Sie Sport-Liveticker, die Verkehrslage, das Kinoprogramm samt Trailer, TV-Tipps und das lokale Wetter. Ganz ohne App: mobil.fr-online.de.

Twitter
Videonachrichten Fußball-WM