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Fußball-WM 2014
Deutschland, die DFB-Elf und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

16. Juni 2014

Deutschland gegen Portugal: Es müllert wieder

 Von 
Thomas Müller (links) mit Sami Khedira.  Foto: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt ihr erstes WM-Spiel gegen Portugal mit 4:0. Man des Spieles ist Thomas Müller, dem drei Tore gelingen. Der Portugiese Pepe sieht Rot.

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Als die Partie schon gelaufen war, Deutschland zum WM-Auftakt längst 3:0 gegen Portugal führte, kam die Schrecksekunde: Mats Hummels, der Kopfballtorschütze zum 2:0, sah nach einem Kopfballduell schwer verletzt aus. Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bedeutete sofort, dass der Dortmunder ausgewechselt werden müsste. Etwa wieder ein knöcherner Bandausriss im Fersenbein, wie im November bei einer ganz ähnliche Szene in Wembley? Oder gar ein Kreuzbandriss im rechten Knie? Alles halb so wild: Nach dem Duschen gab der Innenverteidiger Entwarnung: „Ich habe nur einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen. Das sollte sich bis Samstag beheben lassen.“ Zuvor hatte Hummels tatkräftig beim 4:0 (3:0)-Sieg mitgeholfen, vor allem auch dabei, Cristiano Ronaldo zur Bedeutungslosigkeit zu verdammen.

Auftaktspiele bei Fußball-Weltmeisterschaften hatten für die deutsche Mannschaft zuletzt prägenden Charakter: 2002 ein 8:0 gegen Saudi-Arabien in Sapporo, das den Weg ins Finale von Yokohama vorgab. 2006 das 4:2 gegen Costa Rica in München, Basis für das Sommermärchen. 2010 ein 4:0 gegen Australien in Durban, das die Welt schon mal aufhorchen ließ. Man sollte die Kraft, die von solchen Partien ausgeht, also keinesfalls unterschätzen. Insoweit ist vom deutschen WM-Team 2014 offenbar einiges zu erwarten.

Weil die Deutschen nach der berechtigten Roten Karte gegen Pepe nach einem völlig überflüssigen, wenn auch nicht brachialen Kopfstoß gegen den zuvor zwar theatralisch gefallen Thomas Müller schon nach 37 Minuten vom Platz gestellt wurde und bald darauf schon das 3:0 durch denselben Müller fiel, konnte die DFB-Elf zudem die zweite Halbzeit  kraftsparend bestreiten. Keine schlechte Voraussetzung für das zweite Gruppenspiel am Samstag (21 Uhr MESZ) gegen Ghana. „Klar sind wir am Ende nicht mehr jedem Ball steil nachgejagt“, erklärte der dreifache Torschütze Müller hinterher augenzwinkernd.

Müller war, flankiert von den umtriebigen Mario Götze und Mesut Özil, der überragende Mann gewesen (siehe Extrastory), was indes nur deshalb möglich war, weil aus dem Mittelfeld heraus hervorragend nach vorn gearbeitet wurde. Sami Khedira, Philipp Lahm , vor allem aber der bärenstarke Toni Kroos machten einen guten Job, und hinten verteidigte die Viererkette bis auf ein, zwei Ausnahmen tadellos.

Michael Ballack, der alte Capitano, hatte vor dem Spiel in seiner Kolumne in der englischen „Times“ Siegermentalität eingefordert. „Es gibt keine Entschuldigungen diesmal“, schrieb der 37-Jährige ultimativ und ergänzte mit skeptischem Unterton: „Wenn die deutschen Spieler mit der Presse reden, sagen sie, sie hätten eine Gewinner-Mentalität. Jetzt können sie es beweisen.“

Das taten sie dann eindrucksvoll. Pünktlich zum Anpfiff hatten sich fast alle Wolken verzogen und die Sonne brannte unbarmherzig in einen bald brodelnden Kessel. Aber das hatten die Beteiligten ja so erwartet und oft genug erwähnt.  Die Fifa entschied dennoch, dass es keine Trinkpausen geben würde. Und die Deutschen entschieden, in ihrem sehr flexibel  interpretierten  4-3-3-System für mächtigen Wirbel zu sorgen. Die bedauernswerten Portugiesen wussten gar nicht recht, wo ihnen der Kopf steht, derart variabel trug die DFB-Elf ihre Angriffe vor.

Die Tore fielen so geradezu zwangsläufig, wenn auch der Strafstoß, der durch Müller zum 1:0 verwandelt wurde (12.), einem freundlichen Pfiff des Schiedsrichters zu verdanken war. In Echtzeit sah es indes tatsächlich so aus, als sei das Halten von Joao Pereira an Götze strafstoßwürdig, in der Zeitlupe dann weniger. In der Folge blieben Löws Männer dran, die Abwehr verteidigte hoch nah an der Mittellinie, die Räume blieben somit eng, die portugiesischen Ballverluste entsprechend häufig. Das war aus deutscher Sicht sehr schön anzusehen.

Schön anzusehen war auch, wie alle deutschen Ersatzspieler nach Hummels 2:0 (32.) gemeinsam mit dem Torschützen eine Jubeltraube, wie sie gelungener kaum gelingen könnte. Derartige Teambuilding-Maßnahmen hatte man bei der EM 2012 noch arg vermisst.

Die Fans begannen schon früh, ihr wenig phantasievolles, aber dennoch beliebtes „Oh wie ist das schön“ anzustimmen.  Deutschland spielte nach der Pause im Sparmodus weiter, hatte Glück, dass der Unparteiische nach einem klaren Foul von Benedikt Höwedes am eingewechselten Eder nicht auf Strafstoß entschied und setzte durch Müllers drittes Tor in der 78. Minute den Schlusspunkt.

Da konnte dann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr an sich halten und begab sich hinterher zu den noch dampfenden Recken in die Kabine. Die erste Frau im Staate war schon bei der WM 2010 nach einem 4:0 gegen Argentinien in der deutschen Kabine gewesen. Damals allerdings stand das DFB-Team schon im Viertelfinale, diesmal ist nur der erste Schritt getan. „Wir waren auf den Punkt genau topfit. Es gab für uns keine Option, außer zu gewinnen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw hinterher. Dafür hatte er auch auf dem Spielfeld die richtigen Optionen gewählt – und ein wenig Matchglück kam hinzu.

Die Portugiesen verließen das Stadion tief gebeugt und zumeist wortlos. Sie müssen am Samstag gegen die USA neben dem gesperrten Pepe auch auf Fabio Contreao verzichten, der sich eine schwere Oberschenkelzerrung zuzog. Und vermutlich auch auf den Ex-Bremer Hugo Almeida. Der wurde von Hummels so hart, aber dennoch fair getackelt, dass er schon früh aufgeben musste. Von Cristiano Ronaldo, dem Heilsbringer der Portugiesen, war – bis auf einen Freistoß in der Schlussphase – nichts zu sehen gewesen. Das sprach für Jerome Boateng. Aber auch dafür, dass der Weltfußballer seine Knieverletzung noch lange nicht richtig auskuriert hat.

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