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Fußball-WM 2014
Deutschland, die DFB-Elf und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

03. Juni 2014

WM 2014: "Ich habe die Expertisen in der Schublade"

 Von 
Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch mit Spielerbeobachter der deutschen Nationalmannschaft Urs Siegenthaler.  Foto: imago/Eibner

DFB-Chefscout Urs Siegenthaler über das deutsche WM-Camp, überhitzte Schalensitze, die Spielweise der Brasilianer  und die Gefahr von zu aggressivem Gegenpressing und zu viel Ballbesitz-Spiel.

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Urs Siegenthaler ist seit neun Jahren der Spielbeobachter für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Der Schweizer ist neben Assistent Hansi Flick der engste Berater von Bundestrainer Joachim Löw. Im Kreis der Nationalmannschaft hält sich der 67-Jährige, der vor vier Jahren fast Sportdirektor beim Hamburger SV geworden wäre, nur selten auf. Meist ist der gelernte Architekt unterwegs und beobachtet die Spiele anderer Nationen. Vergangenes Jahr hat er  in Brasilien den Confed Cup verfolgt. 

Herr Siegenthaler, Deutschland spielt bei der WM zunächst an der Küste in Bahia, Fortaleza und Recife. Die deutschen Vorrundenspiele dürften um 13 und 16 Uhr bei Temperaturen um die 27, 28 Grad im Schatten stattfinden, in der Sonne entsprechend höher. Kann man dort Powerfußball spielen?

Sehen Sie: Ich habe mir konkret erst einmal eine andere die Frage gestellt: Warum hat da drüben noch nie ein Europäer eine Weltmeisterschaft gewonnen? Um die zu beantworten, habe ich mir zunächst alle Halbfinalspiele angeschaut und Spielberichte gelesen bis zurück in die 70er Jahre.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Mein Empfinden ist, dass sich die Europäer mit ihrer ureigenen Spielweise verwirklichen wollten in Südamerika. Die Engländer wollten so spielen, wie sie es aus England gewohnt sind, die Italiener wie in Italien und die Spanier letztlich auch so, wie sie in Spanien agieren. Genauso machen es die Südamerikaner, wenn die WM in Europa stattfindet. Sie verstehen, was ich meine? 

So ungefähr. Was sollte man aus Ihren Erkenntnissen folgern?

Dass man besser nicht stur das umsetzen sollte, was man zu Hause tut. Schauen Sie: Im Norden Brasiliens ist es nicht ratsam, sich ein Haus mit einer großen Fensterfront zur Sonnenseite zu bauen, auch wenn man das vielleicht am schönsten findet und es in Mitteleuropa auch so bauen kann. Übertragen auf den Fußball will ich damit sagen: Bei 43, 44 Grad in der Sonne, wenn mittags um eins angepfiffen wird, müssen selbst die physisch bestens vorbereiteten Spieler mit ihren Kräften haushalten.

Haben Sie in den deutschen Spielorten schon Begegnungen beobachtet?

Ja, und ich kann Ihnen berichten: Ich habe mich in Fortaleza und Recife nicht auf die Schalensitze setzen können, so heiß waren die.

Klingt nicht gerade verlockend, erst recht nicht für die Spieler.

Wir sind schon mal froh, dass wir nicht, wie zum Beispiel die Schweiz, in Manaus spielen müssen. Der Verschleiß ist aber natürlich auch in Salvador, Fortaleza und Recife sehr hoch. Umso wichtiger ist die Erholung. Das wird das ganz große Thema werden. Die Spieler benötigen diese Abgeschiedenheit und Ruhe. Denn wobei erholt sich ein junger Mensch am besten? Wenn er schläft! Das ist ganz, ganz wichtig.

Es heißt, der Ballbesitzfußball von Bayern München tauge auch dazu, sich mit dem Ball auszuruhen, den Gegner durch unentwegtes Passspiel müde zu machen und dann zuzuschlagen. Könnte das eine Spielidee für die WM sein?

Ballbesitz heißt ja auch, dass Sie agieren müssen. Wenn es dann so käme wie beim Handball, dass die Mannschaft im Ballbesitz nur vor einer Abwehr hin und her liefe, dann kann es das nicht sein. Agieren heißt Bewegung, und Bewegung kostet Kraft. Deshalb denke ich, dass Mannschaften nicht gut beraten wären, sich vor allem daran zu halten, große Ballbesitzzeiten zu erspielen.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

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