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Fußball-WM 2014
Deutschland, die DFB-Elf und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

11. Juni 2014

WM 2014 in Brasilien: Wut im Spiel

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Ein junger WM-Fan vor einer Reihe von Aufstandspolizisten in Sao Paulo.  Foto: REUTERS

Die Fußball-WM in Brasilien schürt den Zorn der Menschen über eine falsche Politik und die Vergehen der Fifa. Dabei wollte Joseph Blatter mit dem Turnier eigentlich seine Funktionärslaufbahn krönen.

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Eröffnungsfeiern großer Sportereignisse sind meist Festtage für die Staatschefs des jeweiligen Landes. Man denke nur an Wladimir Putins zufriedenes Katzengrinsen bei der Inauguration der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Auch die Präsidenten der veranstaltenden Sportverbände sonnen sich im Licht der Weltöffentlichkeit. Die Arbeit ist getan. Der Spaß kann beginnen.

Wenn an diesem Donnerstag die Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 im Stadion von São Paulo stattfindet, wird das anders sein. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff und Joseph Blatter, Chef des Fußball-Weltverbandes (Fifa), dürften immer noch die Pfiffe vom Confederations Cup in den Ohren gellen, die vor einem Jahr in Brasilias neuer Arena über sie hereinbrachen und als Fanal für die folgenden Demonstrationen dienten. Die beiden wissen, sie haben es verbockt – und zwar gründlich.

Das ist besonders bitter für Blatter, der so gern von der wohltätigen Wirkung des Fußballs auf die Welt schwadroniert. Die WM in Brasilien sollte zudem seine Funktionärslaufbahn krönen. Und als das Land 2007 vor allem auf sein Betreiben hin mit der Ausrichtung der WM 2014 betraut wurde, sprach nichts dagegen, dass der Plan aufgehen würde. Brasilien war eine logische Wahl, ein aufstrebendes, wirtschaftlich starkes Land, eine fußballbegeisterte Bevölkerung, was sollte da schiefgehen?

Es ging alles schief, und statt als gefeierter Patron eines stimmungsvollen Turniers in den Stadien Hof zu halten, wird sich Blatter in den kommenden Wochen wie ein gesuchter Verbrecher durch das Land bewegen müssen. Sein Verband gilt in Brasilien inzwischen als Kolonialmacht, welche die Reichtümer des Landes davonschleppt, wie es einst Portugals Herrscher taten.

Dabei hat die Fifa nichts anders gemacht als sonst. Die fast vier Milliarden Euro, die sie mit der WM einnimmt, stammen nicht aus Brasilien, sondern vom Verkauf der Fernsehrechte und ihrer Sponsoren. Vom Ausrichterland verlangt sie wie immer die Bereitstellung der Stadien und der Infrastruktur für ein Turnier dieser Größe. Das hat bisher stets funktioniert, auch wenn es die Fifa nirgends besonders beliebt gemacht hat. Doch wenn dann die Spiele begannen, verstummte die Kritik, und die Menschen feierten einfach ein schönes, wenn auch teures Fest.

In Brasilien ist das nicht zu erwarten. Der Volkszorn, der Rousseff, Blatter und Co. entgegenschlägt, besitzt eine neue und vor allem nachhaltige Qualität. Während der Regierung – etwas widersprüchlich – die immensen Kosten der WM und die vielen nicht umgesetzten Projekte vorgeworfen werden, stellt die Fifa das Böse schlechthin dar. Es handelt sich aber auch um ein PR-Desaster, an dem Brasiliens Regierung maßgeblich mitgewirkt hat.

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In früheren Veranstalterländern, etwa Deutschland oder Südafrika, hatten es Regierung und Organisationskomitee vermieden, die Fifa laut zu kritisieren. Sie wussten, dass dies am Ende auf sie selbst zurückfällt. In Brasilien arbeiteten die beiden Seiten aber von Anfang an gegeneinander. Die Fifa verletzte vor allem in Gestalt ihres Generalsekretärs Jerome Valcke mit unsensibler öffentlicher Kritik und plumpen Ultimaten den Nationalstolz. Die brasilianischen Organisatoren wiederum versuchten, von ihren Versäumnissen abzulenken, indem sie die Schuld auf die Fifa schoben. Es war wie bei zwei Ertrinkenden, die sich gegenseitig unter Wasser ziehen.

Im Herbst will Dilma Rousseff als Brasiliens Präsidentin wiedergewählt werden, nächstes Jahr Joseph Blatter als Fifa-Präsident. Die Fußball-WM 2014 wird keinem der beiden Vorhaben dienlich sein.

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