Eigentlich wollte Minimalist Donald Judd aus der Not nur eine Tugend machen: Um Kopien, Kitsch und Ramsch zu entkommen, zimmerte er selbst seine Möbel. Und weil Judd sich jeder Sache besonders intensiv annahm, hat er das Wesen eines Stuhls, eines Tisches und eines Betts erforscht, hat die Stücke mit Ambitionen aufgeladen.
Abkehr von Kopie, Kitsch und Ramsch. Donald Judd fertigte Möbelstücke als mehr als Lebensding denn als Kunst.
Foto: Judd Foundation
Abkehr von Kopie, Kitsch und Ramsch. Donald Judd fertigte Möbelstücke als mehr als Lebensding denn als Kunst.
Foto: Judd Foundation
Donald Judd vernagelt zwei Holzbretter, den Bleistift hinter den Ohren. Die Spuren seines Handwerkens kann man teils noch deutlich sehen. An seinen alten Bücherregalen von 1966: Ohne großes Brimborium zusammengezimmert. Mal stecken zwei Nägel im Holz, dann wieder drei. Wer sich auf den Boden kauert, wird Werkzeugspuren erkennen und Schrunden an den Flanken.
Das reicht über den Tag hinaus
Stühle und andere Lebensdinge
Donald Judd (1928–1994) studierte Philosophie und Kunstgeschichte und arbeitete einige Jahre als Kritiker für verschiedene Kunstzeitschriften. Judd begann sein künstlerisches Werk als Maler. Er war Mitbegründer der Minimal Art Mitte der 60er-Jahre in New York.
Eine Ausstellung in der Münchener Pinakothek der Moderne zeigt bis zum 9. Oktober „Donald Judd: A good chair is a good chair“ und stellt das Design in einen Zusammenhang mit Beispielen der Minimal Art und zu Design-Kollegen. Katalog in englischer und deutscher Sprache. 28 Euro.
Bei diesen Stücken hat sich ein begnadeter Minimalist handwerklich verausgabt, hat Möbel geschaffen, weil er musste, auch, weil es in dem texanischen Kaff Marfa, in das sich Donald Judd zurückgezogen hatte, keine vernünftigen Stücke gab, sondern nur Kopien, Kitsch und Ramsch. Und weil Judd sich jeder Sache besonders intensiv annahm, hat er das Wesen eines Stuhls, eines Tisches und eines Betts erforscht, hat die Stücke mit Ambitionen aufgeladen. Er wollte ihnen etwas abgewinnen, was über den Tag hinausreicht.
Entstanden ist eine Ode an das, was sich mit wenigen Werkzeugen und geübtem Auge schaffen lässt. Die Glätte seiner Kunst, eingetauscht gegen Leben, solide Möbel, die Signaturen ihrer Entstehung tragen.
Möbelstücke von Donald Judd
Bildergalerie ( 11 Bilder )
Möbelstücke von Donald Judd
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: dpa
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
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Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
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Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
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Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
Foto: Judd Foundation
Donalds Judds Erkenntnis: "Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl. Alle Möbel sollen echte Gebrauchsgegenstände sein. Ist wirklich nichts an Kunst hineingeflossen?
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Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit
Sie sollten in erster Linie funktionieren und keine Kunst darstellen, sagte Judd im Leitaufsatz „It’s hard to find a good lamp“ von 1993 mit einem Augenzwinkern: „Bei einem Stuhl liegt die Kunst nicht in seiner Ähnlichkeit zur Kunst, sondern zum Teil in seiner Plausibilität, Zweckdienlichkeit und Maßstäblichkeit als Stuhl.“ Eine bittere Erkenntnis.
Judd hatte zunächst versucht, Prinzipien des Minimalismus auf das Design zu übertragen, also ein Kunstwerk in einen Funktionsträger zu verwandeln und somit beide Disziplinen verraten. Judd ließ sich also verleiten, für einen Couchtisch ein bestehendes Kunstobjekt abzuändern. „Damit entwertete ich die Arbeit und produzierte einen schlechten Tisch, den ich später wegwarf“, bekannte der Perfektionist nach dem Experiment. Erst, als er aus der Funktion, der Aufgabe und dem Material heraus neu ansetzte, konnte das Möbel gelingen.
Sollte wirklich nichts hineingeflossen sein an Kunst in diese minimalistischen Stühle, Tische und Bücherregale? Spätestens beim spiegelnden Kupfersessel von 1984 wird der Hintersinn von Judds Möbeln deutlich. Sie sind Kunstwerke eigener Art. Einfache Proportionen, mathematische Teilungen. Judd wollte zwar einen einfachen Stuhl, aber nicht irgendeinen. Es musste schon einer werden, der das Sitzen hinter sich lässt und zu einer Frage der Haltung vordringt. „Zum Essen oder Schreiben eignet sich ein gerader Stuhl am besten“, befindet Judd, „Die dritte Stellung wäre das Stehen.“ Also Hände auf den Tisch und kein Rumgezappel. „Ein guter Stuhl ist ein guter Stuhl“ lautet ein Zitat von Donald Judd.
Ein perfektionistischer Arbeiter
Prall gepolsterte, bürgerlich viktorianische Möbel waren so ziemlich das Schlimmste, was man dem Asketen zumuten konnte. So verbindet die Design-Stücke vor allem ihre Konzentration mit seinen Kunstobjekten. Sie besitzen in zunehmender Verfeinerung nichts Zufälliges mehr, die Spuren ihrer Herstellung verschwinden, Judd ließ seine Möbel in Kleinserien herstellen. Er war sich bewusst, dass sie keine hohen Auflagen erzielen würden und bedauerte es beiläufig. Raum und Möbel ergänzen sich, bedingen sich in der kargen Sprödigkeit von Landschaft und Leben. (Oliver Herwig/tet)