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Wohnen

29. Oktober 2012

Häuser des Jahres 2012: Wohnen in der Gegenwart

Häuser des Jahres: Die drei Einfamilienhäuser des Entwurfs von Daniele Marques wirken von außen wie eine Einheit, die sich in die Landschaft schmiegt. Foto: Daniele Marques

Im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt läuft derzeit die Ausstellung zum Wettbewerb "Häuser des Jahres 2012". Ein Gespräch über Bauen heute.

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Herr Schmal, der Siegerentwurf des Wettbewerbs „Haus des Jahres“ stammt vom Schweizer Architekten Daniele Marques. Dessen „Drei Einfamilienhäuser“ sind von Weitem nur als scharfe, weiße Striche im Hang wahrzunehmen. Lediglich die senkrechten Linien der Kamine durchbrechen die Strenge der minimalen Fassade. Weniger Architektur geht kaum – warum ist es für Sie das Haus des Jahres?

Weil es auf sehr neue Weise mit dem Zwiespalt umgeht, mit dem Einfamilienhäuser grundsätzlich belastet sind: Einerseits gibt es den Wunsch der Bauherren, eine eigene Parzelle nur für sich zu haben. Damit geht aber andererseits ein Ressourcenverbrauch und Bedarf an Infrastruktur einher, der nicht mehr zeitgemäß ist. Indem Daniele Marques hier drei Einfamilienhäuser am Hang übereinanderstaffelt, schafft er eine fast schon urbane Verdichtung mit optimaler Ausnutzung des Grundstücks. Und dennoch hat jede Partei für sich das Gefühl, in einem frei stehenden Einfamilienhaus zu wohnen. So hat er die Nachteile der Bauweise minimiert, aber die Vorteile einer Mehrfamilienhaus-Baustelle ausgereizt.

Die Jury hat für den Wettbewerb insgesamt 220 Projekte gesichtet. Welche Trends zeichneten sich dabei ab?

Wir stellten fest, dass für den deutschsprachigen Raum derzeit die Schweiz das Zentrum innovativer Einfamilienhaus-Architektur ist. Allerdings ist das nicht verwunderlich: Dort gibt es ausgezeichnete Architekten und perfekte Handwerker. Zudem verlegen derzeit viele solvente deutsche und französische Bauherren ihren Erstwohnsitz in die Schweiz, kreieren also eine anspruchsvolle Nachfrage. Die Bauherren sind, anders als hierzulande, auch bereit, ungewöhnliche Lösungen zu tragen. In München, Hamburg oder Berlin findet man dagegen immer häufiger Neubauten, die sich am Ideal der klassischen Villa orientieren. Da können Sie anhand der Details oft nicht mehr genau sagen, ob der Bau nun vor hundert Jahren oder gestern entstanden ist. Axel Steudel ist zum Beispiel ein hervorragender Vertreter dieser Richtung, der seine Auftraggeber auch ohne Werbung findet.

Unter den Wettbewerbsbeiträgen finden sich viele Bungalows – zeichnet sich hier eine Renaissance ab?

Ja, anders als bei den ausgezeichneten Projekten steht hier natürlich der Flächen- und Ressourcenverbrauch in keinem günstigen Verhältnis. Dafür gibt es aber gerade bei diesem Bautyp immer wieder spannende Architekturen, die sich bewusst auf die 50er- Jahre beziehen – wie etwa die Villa bei Graz des Büros Love. Der Flächenverbrauch ist eben in Mitteleuropa nicht das einzige Maß, an dem man Architektur messen darf. Schließlich werden unsere Städte und Regionen künftig eher schrumpfen. Deshalb müssen sich die Architekten jedoch umso mehr Gedanken darüber machen, wie die notwendige Infrastruktur außerhalb der Innenstädte, also dort, wo Einfamilienhäuser traditionell gebaut werden, künftig noch bezahlbar sein wird. Letztlich wird das auch zu einer neuen, tiefer gehenden Diskussion über die Energieautarkie führen.

Raumgreifende Villen mit exzentrischer Kubatur sind dagegen in der Minderheit. Fehlt den Bauherren das Geld oder ist ihnen die repräsentative Funktion ihres Heims heute weniger wichtig?

Das Geld fehlt ihnen wohl nicht. Eher glaube ich, dass ihnen die repräsentative Funktion des Eigenheims derzeit weniger am Herzen liegt. Die Villa, die ihre Gäste beeindrucken soll, ist im Moment eher die Ausnahme. Die Qualität zeigt sich vermehrt in hochwertigen Materialien. Diese Zurückhaltung erkennt man auch beim Thema Auto: Stellplätze sind zwar immer noch vorhanden, nur werden sie heute deutlich dezenter gehandhabt, herrschaftliche Auffahrten sucht man vergebens. Auch dieser Umstand ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Bauherren ihren Reichtum nicht mehr herzeigen, sondern lieber still für sich genießen wollen. Auch die meist sehr gute Energiebilanz sieht man den Einfamilienhäusern selten an. Das ist auch nicht gewünscht. Nehmen sie nur den Ingenieur Werner Sobek, der zu den Vorreitern des nachhaltigen Bauens gehört. Sein Einfamilienhaus bei Ulm, ein nahezu rundum verglaster Pavillon, wirkt wie eine schlimme Energieschleuder. Und dennoch entspricht es dank verdeckter Solaranlage auf dem Dach und allen weiteren verfügbaren Maßnahmen vollkommen den Erfordernissen der Zeit.

Auffällig ist, dass der Werkstoff Holz bei den meisten Neubauprojekten eine große Rolle spielt …

Ja, Sichtbeton und Glas werden an der Fassade und im Innenraum zunehmend von natürlichen Materialien wie Holz und Naturstein ergänzt oder sogar ersetzt. Insgesamt muss man jedoch festhalten, dass die Lust am Experiment im deutschsprachigen Raum relativ gering ist. Die eingereichten Entwürfe sind zwar einerseits sehr unterschiedlich, bieten aber in ihrer Materialität insgesamt ein sehr einheitliches Repertoire. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Fantasie gewünscht.

Gibt es wenigstens bei den Grundrissen neue Ideen?

Im Grunde nicht. Wohnzonen ersetzen zwar vielerorts die klassischen Wohnräume – ansonsten werden die Grundrisse jedoch sehr konservativ behandelt. Allerdings gibt es eine interessante Beobachtung: Die viel beschworene Verschmelzung zwischen Innen- und Außenräumen wird nur sehr selten konsequent umgesetzt. Oftmals bleibt es bei der Geste, etwa bodentiefen Fenstern, die dann aber nicht auf eine Terrasse, sondern nur auf einen geschützten Innenhof oder kleinere Austritte führen. Großzügige Terrassen findet man dagegen eher in den oberen Stockwerken, wo sie vor den Blicken der Nachbarn und Passanten geschützt sind. Hier siegt das Bedürfnis nach Privatheit deutlich über die Vorstellungen der Planer.

Interview: Jan Ahrenberg

Ausstellung „Häuser des Jahres 2012“ bis zum 16. November im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, Frankfurt.

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