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Wulff-Nachfolge: De Maizière will nicht Präsident werden

Casting von Präsidentenkandidaten (FR vom 18.02.2012). Foto: Thomas Plaßmann

Nach vier Stunden Beratungen über Wulffs Nachfolge gehen Merkel, Seehofer und Rösler auseinander, ohne eine Stellungnahme abzugeben. Am Samstagmorgen soll die Runde erneut tagen. Bevor überhaupt ein Kandidat bestimmt ist, sagt de Maizière schon ab.

Lange hat der unfreiwillige Abschied des Staatsoberhauptes gedauert. Seine Nachfolge soll schnell geregelt werden. Bei der CSU haben sie sogar schon eine Präsidiumssitzung in München anberaumt. Aber ob das so hinhaut? Wer genau hinhört in den Stunden nach Christian Wulffs Rücktritt, stellt nicht nur Gleichklang in den Regierungsparteien fest.

So versprach Angela Merkel am Vormittag im Kanzleramt, CDU, CSU und FDP wollten „sich beraten und anschließend unmittelbar auf die Sozialdemokraten und Bündnis 90/Die Grünen zu gehen“. In den Gesprächen gehe es um „einen gemeinsamen Kandidaten“. Das klang so schön und offen, dass die Angesprochenen es postwendend begrüßten. Gleich danach hat die Kanzlerin SPD-Chef Sigmar Gabriel für Sonntag eingeladen.

Wulffs mögliche Nachfolger

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Unterwegs in Stuttgart drückte sich FDP-Chef Philipp Rösler etwas weniger integrativ aus. Die Koalitionsparteien würden sich „umgehend zusammen setzen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden und danach auf die anderen Parteien zugehen“.

Mag sein, Merkel wollte auch nicht ohne Personalvorschlag in die Verhandlungen, aber dann hat sie es diplomatisch geschickter nicht verraten. Die Bitte um Erläuterung wurde aus dem Kanzleramt nicht beantwortet.

Gauck bleibt im Gespräch

Die Koalitionsspitzen haben auf jeden Fall erst Mal ihren Zeitplan beschleunigt. Zunächst hieß es: Samstag. Doch dann traf man sich schon am Freitagabend. Auch zwischen SPD und Grünen läuft die Abstimmungsmaschine. Beide Seiten sind um Freundlichkeit bemüht. Beide Seiten haben Mühe damit.

Wulff - der Rücktritt in Bildern

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In einer telefonischen Schaltkonferenz hat sich die SPD-Spitze auf eine Gesprächsbedingung verständigt, die auch von den Grünen geteilt wird, ohne dass man extra darüber hätte reden müssen: Kein aktuell aktiver Minister soll Präsident werden.

Auch nicht wenn es eine Frau ist wie Ursula von der Leyen oder ein so netter Mensch wie Thomas de Maizière. Wobei der Verteidigungsminister nach eigenen Aussagen keine Ambitionen auf den Posten hat: "Das ist in jeder Hinsicht abwegig", sagte der CDU-Politiker über entsprechende Spekulationen.

Für die linksliberale Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gibt in der FDP einige Stimmen. Dass man einen CDU-Politiker womöglich nicht verhindern kann, darüber machen sich die Oppositionsparteien keine Illusionen – auch wenn SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles vorsichtshalber noch mal den Ex-Kandidaten Joachim Gauck als Neukandidaten ins Gespräch bringt.

Auf den ersten Blick weniger unfreundlich fällt von anderer Seite der Name Norbert Lammert. Der sei kein Minister und als Parlamentspräsident von Beruf überparteilich. Dass er Merkel, aber auch den mächtigen Unions-Fraktionschef Volker Kauder in den vergangenen Monaten vor allem im Streit um die Bundestagsbeteiligung an der Euro-Rettung mächtig gepiesackt hat, wissen sie bei SPD und Grünen natürlich auch.

In einem Punkt scheint es Merkel bitter ernst: Sie will auf jeden Fall einen gemeinsamen Kandidaten, denn eine erneute Kampfkandidatur wäre ein großes Risiko und würde ihre derzeitige Popularität demontieren. (mit dapd)

Reaktionen auf den Wulff-Rücktritt
Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt Wulff, er habe in seiner Amtszeit bezüglich der Integration wichtige Impulse gesetzt. Tatsächlich ist es eine Stärke unseres Rechtsstaates, dass er alle gleichstellt.
Foto: dapd
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

"Ich habe den Rücktritt des Bundespräsidenten mit großem Respekt und persönlichem Bedauern zur Kenntnis genommen". Wulff habe in seiner Amtszeit bezüglich der Integration wichtige Impulse gesetzt. "Tatsächlich ist es eine Stärke unseres Rechtsstaates, dass er alle gleichstellt". Wulff stelle seine Überzeugung, dass er juristisch korrekt gehandelt hat, hinter das Amt zurück, so Merkel.

Autor:  Thomas Kröter
Datum:  17 | 2 | 2012
Kommentare:  5
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