Arte zeigt eine Dokumentation über Amerikas großen Bürgerrechtler Martin Luther King
Martin Luther King beim Marsch auf Washington 1963, wo er seine bekannteste Rede hielt - "I have a dream".
Foto: ARTE France
Martin Luther King beim Marsch auf Washington 1963, wo er seine bekannteste Rede hielt - "I have a dream".
Foto: ARTE France
Gerade acht Monate liegt die Ermordung ihres Ehemannes zurück, als Coretta Scott King vor der Fernsehkamera darüber spricht, was sie anlässlich der Weihnachtsfeierlichkeiten 1968 fühlt. Sie erinnert sich an ihr bislang schwerstes Osterfest fünf Jahre zuvor.
Schwanger mit dem vierten Kind, erfährt sie, dass Martin Luther King in Alabama wegen seines Protestes für die Gleichbehandlung von Schwarzen festgenommen worden ist. Deprimiert sei sie gewesen, und dennoch sei es das bedeutungsvollste Ostern gewesen, das sie je erlebt habe, erinnert sich die Witwe. Mit seinem Tod verbinde sie nun eben nicht mehr nur Trauer, sondern damit "verbunden ist auch die Hoffnung auf Erlösung".
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Coretta Scott Kings Worte zu Beginn der Arte-Dokumentation "Dr. King, Bürgerrechtler", vor allem aber ihre durch und durch gefasste Erscheinung, vermitteln einen guten Eindruck davon, woher die Familie King all die Jahre die Kraft nahm, mit Anschlägen, Drohungen, Arbeitsbelastung, aber auch der Abwesenheit des Vaters umzugehen. Der gut zweistündige Film von Orlando Bagwell und W. Noland Walker widmet sich den Jahren 1963 bis 1968 in Martin Luther Kings Leben, die aufgrund seines Engagements nur allzu eng mit den politischen und gesellschaftlichen Geschehen der USA dieser Zeit verknüpft waren.
Zeitzeugen, Gefolgsleute und Historiker kommen zu Wort, während Archivaufnahmen einiges von der Aura jenes Mannes wiedergeben, der wie sonst wohl nur Mahatma Gandhi für den gewaltfreien Widerstand gegen Unrecht und Unterdrückung steht. Es dürfte nicht allzu schwer gewesen sein, das Faszinosum Martin Luther King mit ein paar Bildausschnitten lebendig werden zu lassen. So charismatisch war dieser Mann, dass man selbst vor dem Fernseher in seinen Bann gezogen wird. Seine Reden, obwohl vor mehr als 40 Jahre gehalten, haben nichts von ihrer Kraft eingebüßt. Einer Kraft, der er nie gestattet, sich Bahn zu brechen in Populismus oder unbedachte Äußerungen. Stattdessen ist er stets direkt und sachlich, begleitet von einem unaufdringlichen Pathos, das seinen Worten erst jene Wucht gibt, die ihn offenbar auch in den Augen seiner Gegner so gefährlich machte.
Der Mord an Martin Luther King
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Der Mord an Martin Luther King
King, dessen Vater in der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) engagiert war, fiel schon in der Schule als guter Redner auf. Er studierte Theologie und erwarb den Titel eines "Doctor of Philosophy". Mit seiner Frau Coretta, die er 1953 heiratete, zog er nach Montgomery (Alabama), wo er eine Stelle als Pastor annahm.
In Montgomery organisierte er den 381 Tage andauernden "Montgomery Bus Boycott", mit dem die Aufhebung der Rassentrennung in den Bussen der Stadt Montgomery erreicht wurde. Die Aktion war beispielhaft für Kings Ansatz des gewaltlosen Widerstands. Trotzdem wurde er insgesamt 30 Mal inhaftiert.
Foto: AP/Montgomery Advertiser, Charles Moore 1958
Als er 1960 nach Atlanta umzog, wurde er zu sechs Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil er seinen Führerschein nicht umgemeldet hatte. Auf Betreiben des kurz danach zum Präsidenten gewählten John F. Kennedy, wurde er nach wenigen Tagen auf Kaution freigelassen.
Foto: AP 1960
Nach einigen erfolglosen Demonstrationen in Albany, begann King in Birmingham besser organisierte Aktionen: Imbissecken für Weiße wurden durch Sitzproteste blockiert und Kaufhäuser boykottiert. Die Polizei reagierte mit über 1000 Festnahmen und massiver Gewalt. Präsident Kennedy legte schließlich ein Gesetz zur landesweiten Gleichberechtigung vor. Trotzdem hielt King an dem geplanten "Marsch nach Washington für Arbeit und Freiheit" fest.
Foto: AP 1963
Am 28. August 1963 hielt King im Rahmen des Marsches, an dem 250.000 Menschen beteiligt waren, seine berühmte Rede "I have a dream".
Foto: AP 1963
Unter den Demonstranten waren unter anderem der bekannte Musiker Harry Belafonte(m.), der schon die Aktionen in Birmingham unterstützt hatte, sowie die Schauspieler Charlton Heston(r.) und Burt Lancaster(l.).
Foto: UPI 1963
Das FBI überwachte King und andere Bürgerrechtler nach dem Marsch auf Washington intensiv. King wurde als Kommunist dargestellt und Informationen aus seinem Privatleben öffentlich gegen ihn verwendet.
Foto: dpa 1963
Nach dem Tod John F. Kennedys führte Lyndon B. Johnson dessen Politik fort. Er setzte auch das von Kennedy auf den Weg gebrachte Bürgerrechtsgesetz durch. Die Gouverneure von Alabama und Mississippi, George Wallace und Paul Johnson, weigerten sich, das Gesetz umzusetzen.
Foto: AP 1964
Da die Ungerechtigkeit im täglichen Leben weiterhin deutlich zu spüren war, bildeten sich im Norden der USA, wo King wenig Einfluss hatte, radikale, gewaltbereite Gruppen wie die Black Muslims unter Malxom X (r.) und die Black Panther Party. Es kam zu gewalttätigen Aufständen im ganzen Land.
King verstärkte im Gegensatz dazu sein pazifistisches Engagement und stellte sich auf die Seite der Vietnamkriegsgegner. Dadurch verlor er die Unterstützung vieler Spender und auch die des Weißen Hauses.
Foto: AP 1964
Neben den Übergriffen der Polizei bei Demonstrationen, waren die Bürgerrechtler durch Angriffe des Ku-Klux-Klans und anderer Rassisten bedroht. Auf Martin Luther King und seinen Bruder wurde ein Bombenattentat verübt, in Mississippi drei Bürgerrechtler entführt und ermordet, Malcom X erschossen.
Hier legt King einen Kranz für Reverend Reeb nieder, der von Rassisten zusammengeschlagen worden war und seinen Verletzungen erlag.
Foto: AP 1965
1968 setzte King sich im Rahmen des Poor People's March in Memphis für die soziale Gleichberechtigung ein. Am 28. März kam es zum ersten Mal zu Ausschreitungen bei einer von King geführten Demonstration. Es gilt heute als sicher, dass das FBI Provokateure eingesetzt hatte. Am 3. April hielt King seine berühmte "I've been to the mountaintop"-Rede und wies erneut auf die Bedeutung der Gewaltlosgkeit hin. Am 4.4. wurde er auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis erschossen.
Unser Bild zeigt ihn mit den Bürgerrechtlern Hosea Williams, Jesse Jackson und Ralph Abernathyam am Vortag des Attentats.
Foto: AP 1968
Nach dem Bekanntwerden des Mordes an Martin Luther King kam es in über 100 Städten zu Ausschreitungen. Etwa 10.000 Menschen wurden verhaftet, 2000 verletzt und 39 getötet. Präsident Johnson plante ein Hilfsprogramm für Schwarze anzukündigen, er unterließ dies allerdings, als die Lage sich bald wieder beruhigte. Der Kongress verabschiedete später ein Gesetz für die Gleichberechtigung bei Mietpreisen und dem Erwerb von Wohneigentum.
Foto: AP 1968
Eine noch von King selbst organisierte Demonstration führte am 8.4. seine Frau Coretta Scott King an. Die Demonstration mit etwa 35.000 Teilnehmern verlief friedlich.
Foto: AP 1968
Am 9.4.1968 wurde King auf dem South View Cemetery in Atlanta, einem Friedhof für Schwarze, beerdigt. An der Beerdigung nahmen ungefähr 50.000 Menschen teil. Zu einem Trauergottesdienst kamen viele Prominente, unter anderem Robert Kennedy, Richard Nixon und Nelson Rockefeller.
Foto: AP 1968
Zwei Monate nach der Tat wurde der flüchtige Häftling James Earl Ray verhaftet. Der als Rassist geltende Ray gestand den Mord und wurde zu 99 Jahren Haft verurteilt. Ray wiederrief sein Geständnis und beharrte bis zu seinem Tod 1998 auf seiner Unschuld. Dies und einige Zeugenaussagen nährten immer wieder Zweifel am Tathergang.
Foto: AP 1968
Corretta Scott King setzte sich weiterhin gegen die Diskriminierung von Schwarzen ein, in den 80er vor allem gegen die Apartheid in Süd-Afrika. 2006 starb sie im Alter von 78 Jahren.
Seit 1983 ist der dritte Montag im Januar in den USA ein Feiertag. Aber erst im Jahr 2000 wurde der Feiertag in allen US-Staaten als "Martin Luther King Jr. Day" eingeführt.
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Foto: AP 1984
4. April 1968, Memphis, Tennessee: Auf den Friedensnobelpreisträger Dr. Martin Luther King (* 15.1.1929) wird geschossen. Drei tätliche Angriffe und mindestens einen Bombenanschlag hat der Bürgerrechtler bis dahin überlebt. Die Schüsse in Memphis enden tödlich.
Foto:
AP 1964
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Immer wieder treibt der junge Baptistenprediger King die Bürgerrechtsbewegung voran - unter persönlichen Opfern. Erstreitet, dass 1964 die Rassentrennung aufgehoben wird und erhält den Friedensnobelpreis.
Doch der zu Präsident Lyndon B. Johnson zuvor schon hergestellte persönliche Kontakt wird bald wieder zerstört, als King sich auch gegen den Vietnamkrieg engagiert. In einer eindrücklichen - und merkwürdig zeitgemäßen - Szene geißelt er die Arroganz Amerikas, sich selbst als von Gott berufene Weltpolizei zu sehen. Doch Gottes Antwort werde lauten: "Wenn du deine Politik nicht änderst, werde ich mich erheben und das Rückgrat deiner Macht zerbrechen." Für Präsident Johnson ist der Bürgerrechtler ab da nur noch ein "Niggerprediger".
"Citizen King", auch das wird deutlich, hat nie allein für das schwarze Amerika gesprochen. Zu groß war die Frustration, zu gering die Hoffnung bei einigen, die Freiheit doch noch auf gewaltfreien Weg zu erreichen. "Black Power" will nicht mehr auch noch die andere Wange hin halten. Als King im April 1968 ermordet wird, ist er 39 Jahre alt. Sein Herz, so stellte man bei der Autopsie fest, war wesentlich älter.
"Dr. King, Bürgerrechtler",