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Augenblicke des Antisemiten

Georg Heuberger ist Direktor der Jewish Claims Conference.

Noch in der Schule habe ich mit Klassenkameraden den Unterricht geschwänzt, um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zu hören. Selbst wenn man bei Adorno, noch dazu in jungen Jahren, nicht alles verstanden hat, irgendwie hatte man das Gefühl, dass im Denken der beiden jüdischen Intellektuellen Begriffe wie Vernunft, Freiheit mit neuen Inhalten verknüpft wurden - Inhalte, die eine Spannung erzeugten und uns drängten, nach gesellschaftlicher Veränderung zu streben.

Doch mit 1968 ist für mich nicht nur Aufbruch verbunden, da gab es auch bedenkliche Vorfälle. So habe ich als Jurastudent erlebt, wie ein Klausurtermin zur Diskussion über die Notenstruktur umfunktioniert werden sollte. Eigentlich hatte sich die Mehrheit der Studenten in einer Abstimmung dagegen ausgesprochen, doch sie trafen auf Ignoranten: Eine kleine Gruppe habe den Hörsaal mit einem Schlauch unter Wasser gesetzt. Mit großer Geste hätten sie demokratische Verfahren als bloß "formal" abgetan. Dann hätten sie von "repressiver Gewalt" gesprochen. Verquere Welt.

Jüdische Studenten gründeten damals einen eigenen Verband. Wir wollten auch innerhalb der Jüdischen Gemeinde für mehr Demokratie sorgen. An der Hochschule selbst hat es kniffelige Situation gegeben. So entstand "eine schwierige Lage", als der Studentenverband zu einer "Friedenswoche Naher Osten" auch den israelischen Botschafter Ascher Ben Nathan in den Hörsaal VI eingeladen hatte. Dort wurde er von der großen Mehrheit des SDS und arabischen Studenten mit "Ha, Ha, Ha - Al-Fatah ist da"-Rufen am Sprechen gehindert und musste im Tumult den Campus verlassen.

An eine antisemitische Motivation vieler Studenten glaube ich allerdings nicht. Wenn auch mancher Aufbegehrende die Toleranz durchaus auf eine harte Probe stellte.

Aufgezeichnet von Matthias Arning

Demokratie als "formal" abgetan

Datum:  30 | 4 | 2008
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