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Editorial: Zwanzig lange, kurze Jahre

Wer seine eigene Biografie betrachtet, wird sagen: So lange ist das her?! Doch für das Bewerten und Aufarbeiten der Geschichte sind 20 Jahre nicht mal ein Wimpernschlag. Da haben wir Deutschen Erfahrung. Von Stephan Hebel

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Zwanzig Jahre! Wer seine eigene Biografie betrachtet, wird sagen: So lange ist das her?! Doch für das Bewerten und Aufarbeiten der Geschichte sind 20 Jahre nicht mal ein Wimpernschlag. Da haben wir Deutsche Erfahrung.

Dennoch ziehen wir in der Frankfurter Rundschau heute, kurz vor dem Jahrestag des Mauerfalls am 9. November, schon mal Bilanz - wohl wissend, dass sie alles andere als endgültig ist. Wir meinen, dass sich der Rückblick lohnt. Besonders, wenn man die Gegenwart, aus deren Perspektive man urteilt, mit bedenkt. Deshalb haben wir alle unsere Autorinnen und Autoren, alle Gesprächspartner gebeten, neben dem Jahrhundert-Ereignis auch die gesamtdeutschen - und internationalen - Verhältnisse des Jahres 2009 im Auge zu haben.

Es entstand, so meinen wir, eine unterhaltsame wie aufschlussreiche Mischung - von Angela Merkel bis Ulrich Tukur, von Michail Gorbatschow bis David Bowie, vom neuen Trabbi bis zum guten alten Sandmännchen.

"Wir Deutschen haben allen Anlass, uns von Herzen zu freuen!", ruft der ehemalige SPD-Chef Hans-Jochen Vogel der Schriftstellerin Jana Hensel in unserem Streitgespräch zu (Seiten 4/5). Sie antwortet: "Wenn ich mit Menschen im Osten spreche, habe ich das Gefühl, dass es einen Überdruss an dieser ritualisierten Freude gibt. ´89 ist zum Mythos geworden - zu Lebzeiten derer, die dabei waren, ohne dass sie ihre Schicksale wiederfinden."

Wer recht hat? Vielleicht hilft diese Ausgabe Ihnen dabei, sich Ihre Meinung zu bilden. Wir wünschen viel Spaß!

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  6 | 11 | 2009
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