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Gerald Asamoah: Der Neudeutsche

Gerald Asamoah ist mit zwölf Jahren, zwei Tage nach dem Fall der Mauer nach Deutschland gekommen. Doch obwohl er hier ein Fußballprofi ist, wird er immer mal wieder beschimpft. Von Jörg Hanau und Arnd Festerling

Gerald Asamoah, 1978 in Ghana geboren, spielt bei Schalke 04.
Gerald Asamoah, 1978 in Ghana geboren, spielt bei Schalke 04.
Foto: rtr

Ich bin mit zwölf Jahren nach Deutschland gekommen, 1989, zwei Tage nach dem Fall der Mauer, und ich war froh, endlich wieder bei meinen Eltern zu sein. Die waren schon viele Jahre vorher gekommen, ich habe bei meiner Oma in Ghana gelebt. In Afrika hast du ein anderes Bild von Deutschland, da denkst du, hier kriegst du alles. Hier ist alles gut. Aber natürlich gab es immer wieder Vorfälle, wo ich beschimpft wurde, man mich nicht akzeptierte.

Es war für mich andererseits auch einfacher als für andere, denn wenn du Fußball spielst, lernst du sehr schnell viele neue Freunde kennen. Und ich hatte den Vorteil, dass ich darin begabt war. Wenn du was drauf hast, dann wirst du schnell akzeptiert. Aber natürlich war es so, dass ich auf dem Platz von Gegenspielern und Publikum ständig beleidigt worden bin. Das war am Anfang nicht immer einfach für mich.

Heute gibt es das gar nicht mehr. Natürlich wird man mal angemacht, aber dass ich rassistisch beschimpft wurde, das ist lange nicht mehr passiert. Ich habe mich auch immer gewehrt, das heißt, ich habe immer darüber gesprochen. Ich weiß nicht, ob ich das auch gekonnt hätte, wenn ich ein normales Leben führen würde, wenn ich ein normaler Arbeiter wäre. Aber ich als Fußballprofi habe immer den Mund aufgemacht. Auch damit die, die nach uns kommen, es nicht ganz so schwer haben.

Und dann kam 2006. Der Vorfall in Rostock, das war schon krass. Wir hatten diese tolle WM in Deutschland gespielt, das ganze Land hat gejubelt, wir lagen uns alle in den Armen, mit Leuten aus allen Ländern. Dann kamen wir nach Rostock, zwei Monate später, und die haben bei jedem Ballkontakt von mir gepfiffen und Affenrufe ausgestoßen. Von Anfang an. Das ganze Spiel. Das hat sehr weh getan. Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass er das notieren wird. Der Trainer hat mich gefragt, ob ich ausgewechselt werden will, aber ich habe natürlich weitergespielt. Sonst hätten diese Idioten noch ihr Ziel erreicht. Ich hatte schließlich für Deutschland gespielt! Dass nach so einer WM, nach dem Sommermärchen, so etwas passieren konnte, das tut schon sehr, sehr weh.

Aber natürlich werde ich auch nach meiner aktiven Karriere in Deutschland bleiben. Ich lebe hier, hier habe ich meine Familie. Ich bin ja nicht nach Deutschland gekommen, um Fußball zu spielen. Ich bin gekommen, um hier zu leben.

Aufgezeichnet von Jörg Hanau und Arnd Festerling

Autor:  Jörg Hanau und Arnd Festerling
Datum:  22 | 5 | 2009
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