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Interview mit Hildebrandt&Droste: Wunderbare Ausrede Demokratie

Droste: Sehr lustig.

...auch die Unruhen in der DDR 1989

Hildebrandt: Was waren die anderes als eine Revolution? Also wenn das keine große Geschichtserzählung ist, weiß ich nicht. Zum ersten Mal haben sich Deutsche gegen Unrecht aufgelehnt, ohne Blut zu vergießen, ohne Panzer. Und der Ursprung dieser Unruhen war eben nicht der große nationale Gedanke, sondern schlicht: Wir fühlen uns verarscht.

Gehört der Untergang der DDR zur Geschichte der Bundesrepublik?

Droste: Aber ja - eben weil die DDR ein Teil dessen ist, was sich die Beutegermanen aus dem Westen unter den Nagel gerissen haben. Woher kamen bei den Montagsdemonstrationen die bundesdeutschen Fahnen? Im Osten waren die nicht hergestellt worden. Die Klügeren unter den ehemaligen DDR-Bewohnern sagen es klar und deutlich: "Keine Frage, es geht uns in vielerlei Hinsicht besser als in der DDR. Aber für das, was wir jetzt haben, sind wir damals nicht auf die Straße gegangen." Dass solche Erfahrungen als Undankbarkeit abgetan werden, macht es für viele Ostdeutsche noch schlimmer. Die wissen mittlerweile besser denn je, welche Möglichkeiten sie verloren haben.

Wie könnte also ein Wiedervereinigungsdenkmal aussehen, das dem ambivalenten Blick gerecht wird?

Droste: Das kleinkarierte Deutsche hat ja auch eine unfreiwillig komische Seite: 750 Entwürfe für ein Wiedervereinigungsmonument - und keiner davon schafft es in die nächste Runde.

Hildebrandt: Man sollte das Gesicht von Günter Schabowski in Stein meißeln.

Das müde, alte Gesicht eines Technokraten als Symbol der vereinten Nation?

Droste: Wie wäre es mit einer Mauer, auf der ein verloren gegangener Satz steht: "Geh doch nach drüben!" Ein - wie auch immer geartetes - Drüben wäre nicht verkehrt. Ohne Utopie, ohne die Möglichkeit des ganz Anderen, ist der Mensch blind und blöd.

Das Gespräch führte Mark Obert.

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Autor:  Mark Obert
Datum:  22 | 5 | 2009
Seiten:  1 2 3
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