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Iring Fetscher: Frankfurt ist eben klüger

Iring Fetscher, 86 Jahre alt, Politikwissenschaftler und Rousseau-Experte über seine Erlebnisse der wilden Jahre.

Iring Fetscher, 86, Politikwissenschaftler.
Iring Fetscher, 86, Politikwissenschaftler.
Foto: FR/Oeser

Sympathieträger sind die Herrschaften vom Heidelberger Patientenkollektiv offen gestanden nicht gewesen. Sie kamen nach Frankfurt, mischten sich in Debatten ein und machten bald deutlich, dass die Revolution aus ihrer Sicht der Dinge nur mit dem Einsatz von Waffengewalt gelingen könne. Hier in Frankfurt fanden sie keinen Anschluss, schließlich waren die Frankfurter klüger, eben von Theodor W. Adorno geschult an der Maxime: Der Terror ist der Feind der Theorie.

War manchmal ganz schön verrückt, dieses '68, als die Studenten hergingen und die Goethe-Universität in Karl-Marx-Universität umbenannten und mein Institut in Rosa-Luxemburg-Institut. Gut, habe ich denen gesagt, könnt ihr ruhig als Richtschnur nehmen, diese Frau, die doch in frühen Jahren strebsam studiert und recht bald ihren Doktortitel erworben hatte. Solche Vorbilder kann man sich doch nehmen.

Mit den Studenten angeeckt bin ich erst, als die Geld für eine Veranstaltung "Enteignet Springer" haben wollten. Das ging doch nicht, war nicht verfassungskonform. Man suchte einen Kompromiss, doch was am Ende dabei herausgekommen ist, kann man nicht Kompromiss nennen: Man schaffte die Zuständigkeit der Hochschullehrer für solche Fragen ab. Typisch Frankfurt eben.

Mit '68 muss ich mich demnächst nochmal befassen. Das Einstein-Forum in Berlin bat darum, sich Gedanken zu machen über "eine Welt ohne 1968". Ganz interessante Frage, die am 14. Mai in einen Vortrag münden soll. Wahrscheinlich wäre es doch eine andere Welt ohne den Aufruhr. Merkwürdig nur, dass alle so tun, als sei das ein deutsches Phänomen. Mitnichten. Überall auf der Welt gerieten junge Menschen in Aufruhr. Mit Konsequenzen über nationale Grenzen hinweg: Die Deutschfeindschaft ist in den Niederlanden nie geringer gewesen als zu dieser Zeit.

Aufgezeichnet von Matthias Arning

Vorbilder wie Rosa Luxemburg

Datum:  30 | 4 | 2008
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