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Kinderladen: Orientierung in Kargheit

Philip Waechter, 40, ist Autor von Kinderbüchern.

Philip Waechter, Kinderbuchautor
Philip Waechter, Kinderbuchautor
Foto: privat

Geboren bin ich 1968. Spontan fällt mir zu "68" mein Kinderladen in der Vogelweidstraße in Sachsenhausen ein. Ich habe da meine Freunde gefunden, die alle Eltern hatten, die irgendwie von der 68er-Zeit geprägt waren. Wenn ich heute Bilder von damals sehe, fällt mir immer auf, wie spartanisch der Kinderladen eingerichtet war. Kahle Wände, wenig Spielzeug. Das war Konzept. Kinder sollten mit wenigen Spielsachen auskommen. Alles sollte von ihnen selbst kommen. Von ihrer Fantasie und Kreativität. Das hat funktioniert. Ich hatte damals nicht das Gefühl, dass irgendetwas fehlte oder es uns langweilig war. Wir haben uns in dieser Kargheit ganz gut zurechtgefunden.

Als ich größer wurde, kann ich mich gut erinnern, dass die Zeit sehr von Politik geprägt war. Wir gingen zu Demos, zu Protesten gegen die Startbahn-West oder Rock gegen Rechts. Damals hatte man das Gefühl, man tut genau das Richtige, alles war klar - sicher war das noch kindliches Schwarz-Weiß-Denken. Es war eine einfache Weltsicht, die doch sehr gut getan hat.

Die frühe Politisierung von uns kleinen Kindern, die ja auch zum Konzept gehörte, ist zum Beispiel über Theaterstücke gelaufen, die wir eingeübt haben. Dabei ging es darum, dass man beispielsweise eine WG gründen kann. Oder dass man Sachen, die man alleine nicht schafft, doch gemeinsam löst. Oder dass man Häuser besetzen kann. Kurz, es war immer das Thema: alleine ist man schwach und wenn man Probleme oder kein Geld hat, kann man sich zusammentun.

Ich denke, dass von den Idealen noch ganz viel geblieben ist. Gerade was Kindererziehung betrifft. Bei der Kinderladensuche meines eigenen Kindes hatte ich das Gefühl, viele von den damaligen Ideen wieder zu treffen. Auch in den Schulen hat sich viel getan - die Idee von selbstbestimmtem Lernen - wie bei uns.

Aufgezeichnet von Anita Strecker

Damals war alles klar und richtig

Datum:  30 | 4 | 2008
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