Ich bin eine 68er Abiturientin. 1998 feierte unsere Schillerschule 90. Geburtstag und lud drei Ehemalige ein, über ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten. Hier also meine Rede:
"Das letzte Mal hielt ich mich tatsächlich vor 30 Jahren in dieser Aula auf. Entlassungsfeier des Abiturjahrgangs 1968. Wochenlange Diskussionen mit den Klassenkameradinnen und mit den Eltern, hauptsächlich natürlich mit meiner Mutter, waren vorausgegangen. Das Thema: Ziehe ich das traditionelle kleine Schwarze an oder getraue ich mich, Farbe in die Abi-Feier zu bringen? Hosen standen erst gar nicht zur Diskussion. Und ein buntes Kleid? "Das kannst du doch nicht machen!", entschied meine Erziehungsberechtigte, obwohl ich schon fast 19 Jahre alt war. Also erschien ich zähneknirschend in meinem neuen kleinen Schwarzen und beneidete die Schulkameradinnen, die den Mut zur Farbe hatten. ( )
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Waren es Ziele von Ausflügen, von Klassenfahrten oder gar schulische Inhalte: Entscheidungen wurden für, nicht mit uns getroffen, Diskussionen darüber fanden in unseren Augen viel zu selten statt. Wenige dafür geliebte Lehrerinnen und verehrte Lehrer nahmen sich die Zeit, uns zuzuhören, mit uns zu sprechen. ( )
Und schließlich ein letztes Thema, bei dem sich viele Eltern und Lehrer schwer taten: Sexualkunde. Ich glaube, alle waren froh, dass dieses Fachgebiet in die Verantwortung der Biologen gelegt wurde. Doch auch sie übergaben gerne an die allseits geschätzte Fachfrau für das peinliche Thema, die Medizinerin Frau Dr. Gusti Gebhard. Sie überraschte uns mit einem Tafelbild: der Schnitt durch das Becken der Frau, anhand dessen sie unsere Aufklärung besorgte. Soweit ich mich erinnern kann, kam der männliche Teil der Bevölkerung in diesem Vortrag nicht vor. ( )"
Gaby Hombach, Frankfurt a.M.