Vor 20 Jahren gingen in Leipzig 70.000 Menschen auf die Straße. In den Wochen danach wurden es immer mehr. Fotografen der Agentur Transit haben nach der Wende einige Helden der friedlichen Revolution besucht. Die so dokumentierten Lebensgeschichten werden bis zum 30. Oktober in der Ausstellung "Wende-Wände" in der Galerie Süd in Leipzig präsentiert.
Wir stellen zwei von ihnen vor:
Jens Eßbach, 24 Jahre alt, mit seiner Tochter Franziska, fünf Jahre alt. Sie soll im Herbst 1990 eingeschult werden. Doch die Eßbachs haben zur sozialistischen Staatsschule kein Vertrauen. Sie wollen ein anderes Schulsystem und andere Lehrer. Deswegen haben sie noch vor der Montagsdemo am 30. Oktober 1989 das Transparent gebastelt. Stolz hält es Franziska hoch. Der Vater hat sein Kind auf die Schultern genommen, weil viel Gedränge und Geschiebe herrscht auf dem Karl-Marx-Platz in Leipzig, der nach der Wende wieder Augustusplatz heißen wird.
Da oben kann Franziska alles überblicken, sie ist fröhlich und aufgekratzt. Überall wird die Nacht von Kerzen erleuchtet. Franziska weiß gar nicht, was eine Demo ist, aber es gefällt ihr, mit dem Vater unterwegs zu sein. Die Tage der Angst, in denen alle damit rechnen mussten, dass das Militär die Proteste gewaltsam niederschlagen würde, sind vorbei. Die Zahl der Demonstranten verdoppelt sich von Woche zu Woche. Jens Eßbach freut sich darüber, aber er sieht mit Skepsis "Demonstrationstouristen", die "Deutschland einig Vaterland" verlangen. Jens Eßbach möchte lieber die DDR verändern und keine Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik.
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