Alte Zöpfe im Schulwesen müssen weg: Den Satz unterstreichen noch alle Anwesenden im Volksbildungsheim, doch dann hört es mit der Gemeinsamkeit auch schon auf bei der Bürgerversammlung zur Frage "Wie steht's um unsere Schulen?" Vertreter der Unabhängigen Sozialistischen Schüler-Gemeinschaft (USSG) und der Unabhängigen Schüler-Vertretung (USV) versuchen, die Versammlung zu stören, provozieren regelrechte Schlachten um die Saalmikrophone, die geplante Debatte um Schichtunterricht, Gesamtschule, Lehrermangel oder Begabtenförderung scheint unmöglich.
Die Schülervertreter wenden sich gegen autoritäre Schulstrukturen, kritisieren das Herrschaftsverhältnis zwischen Lehrern und Schülern, fordern stattdessen Team-Teaching und mehr Einfluss für die Schülermitverwaltung. Für Herbert Stubenrauch, Sprecher des Sozialistischen Lehrerbundes, entspringt der Reformversuch der Schulen einem falschen Bewusstsein: Es sei von Anfang an versäumt worden, Faschisten aus dem Schulsystem zu verjagen, Schule habe nach wie vor keine andere Funktion als "reibungslos funktionierende Konsumenten und Produzenten" zu erziehen. Es sei auch unverständlich, sagt Stubenrauch, "wie man Sechsjährige zu demokratischem Verhalten erziehen will, wenn man sie zu 50 und mehr Schülern in einen Klassenraum zusammenpfercht".
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Auch Frankfurts Schuldezernent Cordt nennt "50 eine barbarische Zahl". Viele Pädagogen mühten sich aber, vom großen Klassenverband abzukommen und räumten Schülern auch das Recht auf freie Meinungsäußerung ein, sagt Cordt. Die Demokratisierung von Schule ist ein Wert an sich, sagt ein ehemaliger Lehrer der Klingerschule, der inzwischen in Bonn arbeitet. Dazu gehörten weniger autoritätsbetonte Unterrichtsmethoden, die Offenlegung von Noten und Gründen einer Nichtversetzung und nicht zuletzt Mitsprache der Schüler. ana