Auf die 68er-Bewegung, den SDS und die Sponti-Szene stößt mensch wohl spätestens als Teenager. So auch in meinem Fall. Mein damaliges politisches Engagement als Jugendsprecherin in unserem Jugendzentrum in Verbindung mit dem damals zugegebenermaßen noch unreflektierten kommunistischen, marxistischen Gedankengut stellen somit die Grundlage meines sozialen wie meines politischen Lebenswegs dar.
Es ist kein Zufall, dass ich hier in Frankfurt Politikwissenschaften studiere. Erhoffte ich mir von dem Ruf, den Frankfurt hinsichtlich seiner kritischen Wissenschaft hat, und der Tatsache, dass das studentische Engagement hier traditionell links und aktivistisch ist, sehr viel. Auch wenn die kritischen Köpfe seitens der Hochschule längst nicht mehr so gerne gesehen sind, die Tradition von 1968 lebt weiter, zumindest unter den Studierenden, die mit viel Engagement etwas verändern wollen. Die für soziale Gerechtigkeit eintreten, für Chancengleichheit und aus diesem Grund auch gegen Studiengebühren. Aber auch in der Gesellschaft finden sich Mitstreiterinnen und Mitstreiter - Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Professorinnen und Professoren. Die Kämpfe werden wie damals auf den Straßen unter Beteiligung vieler ausgefochten.
Wenn niemand zuhören will, ist es wichtig, sich Gehör zu verschaffen. In einer Zeit der Entdemokratisierung und Ökonomisierung, der Zementierung einer Zweiklassengesellschaft - sowohl an den Hochschulen, was das Modell der Stiftungsuniversität in Frankfurt deutlich macht, als auch in der Gesellschaft - ist es vor allem wichtig, dass es Menschen gibt, die diese Prozesse kritisch analysieren und gegen Machtstrukturen vorgehen.
Vermeintlich hochschulpolitische Themen sind stets Gesellschaftskritik, damals wie auch heute.
Aufgezeichnet von Anne Lemhöfer
Tradition von '68 lebt an der Uni weiter