Zoo
Wenn die Tiger Nachwuchs kriegen oder bei den Bonobos einer stirbt - die FR ist meist fast live dabei und berichtet aus den Gehegen des Frankfurter Zoos.

22. Oktober 2012

Frankfurter Zoo: Helfer bergen tote Erdmännchen

 Von Thomas Stillbauer
Besucher am zerwühlten Erdmännchen-Gehege. Foto: Martin Weis

Die Erdmännchen-Familie im Frankfurter Zoo hat den Einsturz ihrer Höhle nicht überlebt. Mitarbeiter haben die sechs Tiere tot geborgen, berichtet der Hessische Rundfunk.

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Seit Montagmorgen ist es Gewissheit: Alle sechs vermissten Erdmännchen im Zoo sind tot. „Wir haben sie heute früh gefunden“, sagt Zoo-Sprecherin Christine Kurrle der FR. Damit ist das zweiwöchige Rätselraten über den Verbleib der Publikumslieblinge vorbei. Es bleibt die Verwunderung, wie das passieren konnte.

Das Unheil überraschte die Erdmännchenfamilie offenbar im Schlaf. Der Bau stürzte über ihr ein, 85 Zentimeter unter der Erde – und zwar nicht im Außengehege, wie zunächst angenommen, sondern unterm Dach des 2011 eröffneten Glashauses. Dort war auch kein Regenwasser eingedrungen, das ursprünglich als Auslöser des Unglücks galt. „In der Schlafhöhle war es staubtrocken“, sagt Christine Kurrle.

„Erprobtes Bodenmaterial“

Die sechs Tiere sind also bereits seit dem 5. Oktober tot. Was dazu geführt habe, werde nun sorgfältig ermittelt, kündigt die Sprecherin an. Das als Untergrund im Gehege verwendete Substrat sei jedenfalls nicht riskanter als andere Böden. „Es ist ein erprobtes Material“, so Kurrle, „aber es ist ein Naturmaterial, das Veränderungen ausgesetzt ist.“ Auch in der Natur komme es zu Einstürzen oder Überschwemmungen der Erdmännchenhöhlen im südlichen Afrika, bestätigt der Frankfurter Zoo-Kurator Thomas Wilms.

„Wir werden die Tiere auf jeden Fall weiterhin artgerecht halten“, betont die Sprecherin. Der Zoo werde nicht aus Sicherheitsgründen auf Böden verzichten, in die sich die Tiere selbst eingraben könnten. Zwei Erdmännchen leben noch in einem Gehege hinter den Affenanlagen. Ähnlich wie Suricata suricatta buddeln auch die Mangusten im Grzimek-Haus einen Bau. Ihre Behausung ist freilich keinem Witterungswechsel ausgesetzt.

Schreiben an die Paten

Einige Besucher haben sich inzwischen bei der Zooleitung gemeldet und besorgt nach den Erdmännchen gefragt. An die 296 Paten der beliebten Säuger gehen nun Schreiben heraus, in denen sie informiert werden; viele wissen noch gar nichts. Der Zoo baut weiter auf ihre Treue; gerade jetzt sei Unterstützung für den Aufbau einer neuen Familie nötig.

Tierpaten reagieren betroffen. „Furchtbar!“, sagt eine Frau geschockt, die Stammvater Gideon und seine Sippe regelmäßig besuchte. „Eine schlimme und traurige Geschichte“, ist auch Matthias Gast betrübt, der Pressesprecher des FSV Frankfurt. Der Verein unterhält ebenfalls eine Erdmännchen-Patenschaft. „Das sind süße Tiere, die jeder gern mag“, sagt Gast. Dem Zoo will er keinen Vorwurf machen: „Die Mitarbeiter werden schon ihr Bestes gegeben haben, um die Tiere zu schützen.“ Der Sprecher geht davon aus, dass der FSV die Erdmännchen auch weiter unterstützt.
Die Patenschaft des Hauptamts der Stadt ist just im vergangenen Monat ausgelaufen. Ungeachtet dessen versichert Gregor Diesch vom Hauptamt, die Stadtverwaltung bedaure das Unglück sehr.

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