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Zoo
Wenn die Tiger Nachwuchs kriegen oder bei den Bonobos einer stirbt - die FR ist meist fast live dabei und berichtet aus den Gehegen des Frankfurter Zoos.

06. Januar 2016

Zoologische Gesellschaft: Die besten Freunde des Riesenotters

 Von 
Das weiße Muster am Kinn ist der "Ausweis" der Riesenotter.  Foto: picture alliance

Seit 25 Jahren erforschen Frankfurter Wissenschaftler die wendigen Räuber aus Peru. Über die Abenteuer, die sie dabei erlebten, berichten sie bei einem Diavortrag im Zoo.

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Riesenotter – imposanter Name. Auf Spanisch heißt er zwar auch nicht schlecht: Lobo del río, also Flusswolf. Aber Riesenotter klingt noch großartiger. Und ist durchaus verdient. Das wasserwendige Raubtier kann inklusive Schwanz bis zu zwei Meter lang werden. Woher wissen wir das? Weil sich Forscher die Mühe machen und zum Riesenotter in den südamerikanischen Regenwald fahren - darunter die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Sie ist mit dem Wolf des Flusses inzwischen seit 25 Jahren gut bekannt. So lang engagiert sich die weltweit agierende Naturschutzorganisation aus Frankfurt schon in Peru.

ZGF geht in die Luft

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) ist in Afrika jetzt besser für den Kampf gegen Wilderer gerüstet. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier übergab in Tansania zwei Kleinflugzeuge des Typs Husky A-1C, die zum Schutz von Elefanten und Nashörnern eingesetzt werden sollen.

Die illegale Jagd auf diese Tiere hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Die Flugzeuge sollen Kernlebensräume der Elefanten in Tansania überwachen: das Selous-Game-Reservat und den Serengeti-Nationalpark. Ein drittes hat die Bundesregierung der ZGF für 2016 zugesagt, um den North-Luangwa-Nationalpark in Sambia zu kontrollieren.

Die leichten Husky-Propellermaschinen, die niedrig und langsam geflogen werden können, eignen sich gut für Überwachungsflüge. ill

Zur Feier des Anlasses trafen sich jüngst ZGF-Aktivisten aus vielen verschiedenen Ländern, besonders aus dem Andenstaat – und solche, die einst von Frankfurt aus gen Südamerika aufbrachen, um den Riesenotter zu suchen. Allen voran war das seinerzeit ein junges Paar: Elke Staib und Christof Schenck bereisten schon 1985 als staunende Rucksackwanderer die Nationalparks und führten akribisch Tagebuch. 1990 kehrten sie dann in offizieller Mission dorthin zurück. „Wir haben damals alles verkauft, und ab ging es nach Peru für die nächsten drei Jahre“, erinnerte sich Schenck, heute längst Geschäftsführer der ZGF.

Strapazen im Regenwald

Es wurde ein harter Trip für alle – für die Autos, die Fahrer, die Mechaniker, und besonders für die jungen Forscher. „Erste Lektion im Regenwald: Du kannst schnell verloren gehen.“ Aber die Gruppe hatte einen guten Führer: einen Hund, der sich bestens auskannte. Die Dias, die Schenck im abendlichen Halbdunkel des Vogelhauses im Zoo zeigte - bei leckeren Pisco-sour-Cocktails, Mais- und Bananenchips - gaben einen guten Eindruck von den Strapazen, besonders in der Regenzeit: unterwegs im Boot, übersät mit Insekten, Klamotten durchnässt, der deutsche Reisepass von Feuchtigkeit und Pilzen fast aufgefressen. „Wer keine Probleme hatte, waren die Otter“, sagte Schenck zur Erheiterung der Gäste und ahmte (noch mehr zur Erheiterung) den Alarmruf des Riesenotters nach.

Die Tiere werden sich gewundert haben, damals, über die Besucher mit den Paddeln und den pilzbewachsenen Reisepässen. Aber sie sind in gewisser Weise auch kooperativ: Riesenotter zeigen „ihren Ausweis“ unaufgefordert jedem, dem sie begegnen – ihr für jedes Tier individuelles weißes Muster unterm Kinn. „Sie strecken ihren Hals hoch und halten somit ihre Erkennungsmerkmale kurz über Wasser“, beschrieb Robert Williams, bis 2014 Leiter des ZGF-Programms im Nationalpark Manú: „Das ist sehr praktisch für uns Biologen, denn wir können das für unsere Foto-Identifikation ebenfalls nutzen.“ Ein gutes Instrument für den Schutz der Tiere, die vielerorts um ihren Lebensraum zu haben kämpfen.

Ungeahnte Reise

Auf diese Weise machten die Forscher eine sensationelle Entdeckung: Der wohlbekannte Diablo II, ein charakteristisch gefärbter Riesenotter aus dem Salvador-See, tauchte acht Jahre später plötzlich auf einem Foto aus dem Flusssystem Los Amigos auf. Das bedeutet: Er muss rund 300 Kilometer zurückgelegt und seine angestammte Umgebung verlassen haben. Die riesigste Reise, die je für einen Riesenotter dokumentiert wurde.

Zugleich kann die ZGF nach 25 Jahren auf die ausführlichste Riesenotter-Studie aller Zeiten zurückblicken und auf ein Engagement in Peru, das seinesgleichen sucht. Mehr als 700 Publikationen entstanden daraus. Das angeschlossene Umwelterziehungsprogramm habe bisher gut 15 000 Schulkinder erreicht, berichtete Antje Müllner, die ZGF-Referatsleiterin Südamerika. Etwa 2700 Ranger wurden für den Schutz der Reservate ausgebildet.

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