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Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

18. März 2014

Abschiebung: „Wir sind Flüchtlinge. Wir brauchen Schutz!“

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Vor allem Eritreer demonstrieren dagegen, nach Italien abgeschoben zu werden, wo ihnen Obdachlosigkeit droht.  Foto: Alex Kraus

Mehrere hundert Flüchtlinge vor allem aus Eritrea, Äthiopien und Somalia demonstrieren in Frankfurt gegen die europäischen Asylgesetze und gegen ihre Ausweisung nach Italien.

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Sie haben ein Spielzeugschiff mitgebracht, an Deck liegen weiße Blumen und ein Grablicht. „Weil wir alle übers Mittelmeer gekommen sind“, sagen die jungen Männer in der ersten Reihe des Protestzugs. Sie tragen das Schiff vor sich her als Mahnung an eine gefährliche Überfahrt – und im Gedenken an jene, die es nicht geschafft haben. Später rufen sie auf Englisch: „Wir sind keine Kriminellen, wir sind Flüchtlinge. Wir brauchen Schutz!“

Etwa 200 bis 300 Menschen sind am Montagnachmittag in die Innenstadt gekommen, um gegen die europäische Asylpolitik im Allgemeinen und gegen Abschiebungen nach Italien im Speziellen zu demonstrieren. Vom Kaisersack am Hauptbahnhof ziehen sie zum italienischen Generalkonsulat, um mit dem Generalkonsul zu sprechen, und weiter zum Römer. Es sind deutsche Unterstützer dabei, etwa aus der No-Border-Gruppe, von Amnesty International oder vom Hessischen Flüchtlingsrat, vor allem aber sind es Flüchtlinge selbst, die demonstrieren, überwiegend junge Männer aus Eritrea sowie aus Äthiopien und Somalia.

„Wir sind alle Opfer der Dublin-Verordnungen“, sagt Paulos Yacob, der die Demonstration anführt. Jener EU-Gesetzgebung also, derzufolge Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen müssen, wo sie erstmals europäischen Boden betreten und ihre Fingerabdrücke abgegeben haben.

Im Fall der Protestierenden ist dies Italien, auch Paulos Yacob hat dort rund sechs Jahre gelebt, ehe er weiterfloh nach Deutschland. „In Italien werden wir wie Müll behandelt, wir leben dort auf der Straße“, sagt der 42-jährige Eritreer. Ihm und den anderen Flüchtlingen droht aufgrund der Dublin-Verordnungen die Abschiebung nach Italien. Die Polizei komme oft mitten in der Nacht, um die Menschen abzuholen. „So etwas erwartet man von einer Diktatur, nicht von einer Demokratie wie Deutschland.“

Und Deutschland hätte durchaus die Möglichkeit, trotz der EU-Gesetze von Abschiebungen nach Italien abzusehen, sagt Timmo Scherenberg vom Flüchtlingsrat. Die Protestierenden seien zudem definitiv schutzbedürftig. Könnten sie in Deutschland Asyl beantragen, bekämen gerade Eritreer es in 99 Prozent der Fälle zugesprochen. Aufgrund der Dublin-Verordnungen würden sie in Deutschland aber gar nicht zu ihren Fluchtgründen befragt, sobald aufgrund des Fingerabdruck-Abgleichs klar sei, dass Italien zuständig ist.

„Gebt mir doch wenigstens die Möglichkeit zu sagen, warum ich hier bin“, bittet Paulos Yacob deshalb verzweifelt. „Ich bin doch nicht hier, um Urlaub zu machen.“

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