Aktuell: Peter Tauber | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

17. März 2016

Flüchtlinge in Frankfurt: Afrikaner sollen ausziehen

 Von 
Die Gutleutkirche war erste Zufluchtsstätte für die Mittelmeer-Flüchtlinge.  Foto: Peter Jülich

Die Diakonie will ihre Räume im Nordend künftig der Stadt für zugewiesene Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Die dort lebenden afrikanischen Migranten ohne Bleibeperspektive müssen deshalb gehen. Project Shelter kritisiert das und spricht von drohender Räumung.

Drucken per Mail

Die sogenannten „Lampedusa-Flüchtlinge“, die zunächst in der Gutleutkirche Obdach fanden und seit dem Sommer 2015 in Räumen des Evangelischen Regionalverbands in der Rotteckstraße im Nordend wohnen, werden ihre Unterkunft bald verlassen müssen. Stattdessen sollen dort der Stadt Frankfurt zugewiesene Flüchtlinge untergebracht werden, die im Gegensatz zu den 16 meist über Italien eingereisten Afrikanern das deutsche Asylverfahren durchlaufen und Anspruch auf entsprechende staatliche Unterstützung haben.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass es sich nur um eine temporäre Lösung handelt, weil wir das Gebäude umbauen wollen“, sagte der Leiter der Diakonie, Michael Frase, der FR. Frase widersprach jedoch der Darstellung der Gruppe Project Shelter, wonach eine Räumung direkt bevorstehe. Ein konkretes Auszugsdatum gebe es nicht, Ziel sei aber ein Auszug noch im Frühjahr. Die Kirche könne die Afrikaner, die keine realistische Perspektive auf Arbeitsmarktintegration in Deutschland hätten, nicht dauerhaft beherbergen. „Wir arbeiten mit den Bewohnern an einvernehmlichen, individuellen Einzelfalllösungen“, sagte Frase.

Von Rückkehr überzeugen

Aktuell lebten noch 16 von ursprünglich 24 Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern in dem Gebäude, sagte Frase. Die übrigen habe man, auch finanziell, dabei unterstützt, entweder in ihre Heimatländer zurückzukehren oder nach Italien, wo die meisten Männer nach ihrer Flucht aus Libyen über das Mittelmeer einst registriert wurden, von wo aus sie dann aber mangels Jobperspektive weiter gen Norden gezogen waren.

Das Project Shelter, das sich seit mehr als einem Jahr für wohnungslose Migranten und ein selbstverwaltetes migrantisches Zentrum einsetzt, hatte in einer Pressemitteilung von einer drohenden Räumung geschrieben. Es sei „mit einer baldigen polizeilichen Überraschungsaktion zu rechnen“, nach der die Männer erneut obdachlos wären. Lisa Bogerts vom Project Shelter kritisierte gegenüber der FR, dass verschiedene Migrantengruppen gegeneinander ausgespielt würden, da der Regionalverband das Gebäude künftig dazu nutzen wolle, der Stadt zugewiesene Flüchtlinge unterzubringen.

In der Tat würden bereits in den nächsten Tagen erste zugewiesene Flüchtlinge in die Rotteckstraße einziehen, bestätigte Michael Frase. Sie würden aber bereits renovierte Wohnungen in der vierten und fünften Etage beziehen und nicht die unteren Stockwerke, in denen die Lampedusa-Migranten momentan lebten. Diese sollten aber später ebenfalls als Flüchtlingswohnungen genutzt werden. Was passiere, falls die Afrikaner nicht freiwillig auszögen, ließ Frase offen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

Anzeige

Dossier

Flucht und Zuwanderung



Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror, viele sterben auf dem Weg nach Europa. Dort steht die Politik vor Herausforderungen. Wenige protestieren, viele Menschen helfen.

Dossier-Übersicht - alles auf einen Blick
Kommentare und Leitartikel - Meinung der FR
Zuwanderung in Rhein-Main - Lage vor Ort

Asyl-Quoten

Verteilung der Asylsuchenden auf die Bundesländer nach dem "Königsteiner Schlüssel"

Daten: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Stand: 2015, Karte: Monika Gemmer

Videonachrichten Flucht und Zuwanderung