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Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

31. Januar 2016

Flüchtlinge in Frankfurt: Verbitterung und Häme

 Von Johannes Vetter
Es war proppenvoll im Vereinshaus.  Foto: Monika Müller

Bei einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Unterkunft für 500 Flüchtlinge in Rödelheim wird es laut. Mehrere Bürger meinen, die Politik habe versagt.

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Nicht wenige Rödelheimer sind wegen der geplanten Unterkunft für bis zu 500 Flüchtlinge in ihrem Viertel besorgt, einige haben Angst. Das ist am Samstag bei einer Informationsveranstaltung der CDU deutlich geworden. Rund 70 Menschen waren in das Vereinshaus des 1. Rödelheimer Fußballclubs am Bottenhorner Weg gekommen, darunter für die CDU die Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld und der Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer.

Verbittert äußerten sich einige Anwohner über die Flüchtlingspolitik der CDU. Die Stimmung im rappelvollen Vereinshaus war teils giftig. Veljko Vuksanovic, CDU-Ortsvorsteher des für Rödelheim zuständigen Ortsbeirats 7, rief während der Diskussion zur Mäßigung auf: „Ich bitte Sie, Sie sind keine kleinen Kinder mehr.“

Im März sollen die ersten Flüchtlinge auf das verwaiste Firmengelände mit der Adresse In der Au 2 bis 14 ziehen. Geplant ist, das Areal mit rund 18 000 Quadratmetern bis zum Spätsommer so umzubauen, das bis zu 500 Flüchtlinge dort wohnen können. Dafür will die Stadt in zwei Hallen Trennwänden einziehen lassen, um nach oben offene Wohnparzellen zu schaffen. Frankfurt zugewiesene Flüchtlinge sollen nach den Plänen zwei Jahre dort leben. Birkenfeld bestätigte jedoch, die Stadt habe das Grundstück vom Unternehmen Sahle Wohnen fünf Jahre gepachtet.

Einige Anwohner fürchteten am Samstag, ihr Viertel könne sich damit grundsätzlich verändern: Eine Frau sagte, sie habe Angst, abends nicht mehr alleine auf die Straße gehen zu können. Ein Mann fürchtet die Verlotterung der deutschen Sprache. Mehrere Bürger sorgten sich um ihre Kinder. Birkenfeld betonte: „Wir haben hier keine Kölner Verhältnisse“. Dann sprach sie über ihre Ängste und erwähnte dabei das Attentat auf die heutige Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, sowie Farbbeutelwürfe mutmaßlicher Rechtsextremer.

Auf diesem Gelände sollen die Flüchtlinge unterkommen.  Foto: Alex Kraus

Mehrere Bürger meinten, die Politik habe versagt. Ein Mann forderte in diesem Zusammenhang, doch das seit mehr als 30 Jahren besetzte Haus direkt neben der geplanten Flüchtlingsunterkunft zu räumen. Beifall im Vereinshaus. Birkenfeld setzte zur Antwort an: „Ich habe von dem besetzten Haus gehört…“ Sie wurde von hämischem, lauten Klatschen und Gejohle unterbrochen. Ihr Gesichtsausdruck erstarrte. Es dauerte eine halbe Minute, bis der beißende Spott verebbte Birkenfeld ihren Satz vervollständigen konnte: „Ich habe von dem besetzten Haus gehört, weil die dortigen Bewohner Angebote für die Flüchtlinge machen wollen.“

Doch über die Koordination ehrenamtlicher Hilfe für die Flüchtlinge wollte am Samstag im Vereinshaus kaum einer reden. Einige Anwohner hatten schon vor der Veranstaltung einen Offenen Brief verfasst, in dem sie die geplante Unterkunft als „sozial unverträglich“ bezeichneten und eine „Ghettoisierung“ fürchteten. Mehrere Bürger nahmen am Samstag darauf Bezug. Ein Mann sagte, die Unterbringung sei „menschenunwürdig“, in den großen Hallen könne es keine Nachtruhe geben. Birkenfeld verwies darauf, dass sie derzeit keine Alternative habe. Der Stadt würden pro Woche 200 Flüchtlinge zugewiesen.

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