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Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

22. Januar 2016

Flüchtlinge in Frankfurt: Widerstand gegen Wohnprojekt

 Von Dennis Hubert
Das Neubaugebiet Harheim-Süd. (Archivbild)  Foto: Christoph Boeckheler

Im Frankfurter Stadtteil Harheim sollen Senioren und Flüchtlinge gemeinsam leben. Doch Bürger und Stadtteilpolitiker haben Bedenken dagegen. Sie kritisieren die städtische Informationspolitik.

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Dass in einem „integrativen Wohnprojekt“ in Harheim Flüchtlinge gemeinsam mit Senioren leben sollen, hat unter Bürgern und Stadtteilpolitikern am Donnerstagabend Bedenken hervorgerufen. Zu einer Sondersitzung des Ortsbeirats 14 waren Hunderte Anwohner gekommen und hörten sich das Konzept von Sozialdezernat und Deutschem Roten Kreuz an.

Auf einem städtischen Grundstück an der Straße Im Niederfeld im Baugebiet Harheim-Süd will das Rote Kreuz eine Unterkunft für 130 Menschen errichten. Vorgesehen ist ein zweigeschossiges Holzmodulgebäude: Dort sollen 18 Senioren sowie 112 geflüchtete Männer und Familien Platz finden. Räume für Beratung und ein Café sind ebenso angedacht. Die Stadt war seit Jahren auf der Suche nach einem Investor für das 5000-Quadratmeter-Areal. „Das soll ein vorübergehendes Bauwerk sein“, sagte die Sprecherin des Sozialdezernats, Manuela Skotnik.

Sie begründet das Projekt damit, dass dieses Jahr bis zu 12.000 Asylbewerber aufgenommen werden müssten. Laut Sozialdezernat sollen die Flüchtlinge mindestens ein Jahr in der Anlage leben, so lange dauere im Schnitt ein Asylantrag. Es sei nicht auszuschließen, dass die Menschen länger bleiben, da sie in der Regel nicht gleich eine Wohnung finden. Dass es die letzte Einrichtung im Frankfurter Norden sein werde, konnte Skotnik nicht versprechen. „Wenn die Zahlen steigen, müssen wir weitere Standorte finden.“

Die Diskussion im Bürgerhaus verlief hitzig. Manuela Skotnik betonte, dass es in keinem anderen Stadtteil so viel Widerstand gegenüber Flüchtlingsunterkünften gegeben habe. Und das, obwohl Harheim einer der wenigen Stadtteile sei, der noch keine Geflüchteten beherberge. Die Bürger schürten Ängste: Sie monierten die Sozialverträglichkeit – und die städtische Informationspolitik. Die Mehrheit werde das Projekt nicht unterstützen, sagte ein Anwohner. „Sie verkaufen uns einen Wolf im Schafspelz.“

Die Kritik zielt darauf, dass die Stadt eine Bauvoranfrage gestellt hat, ohne einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung herbeigeführt zu haben. „Wir haben bei keiner Einrichtung so früh informiert wie bei dieser“, entgegnete der Geschäftsführer des Roten Kreuzes Frankfurt, Dierk Dallwitz. Er betonte: „Das ist noch kein finales Projekt.“ Dass das Grundstück am Donnerstag bereits gerodet wurde, kam unter Anwohnern nicht gut an: Tanja Dieruff verwies darauf, dass dort unter Naturschutz stehende Tiere leben, darunter Fasane und Steinkäuze. Manuela Skotnik betonte, dass das Sozialdezernat die Maßnahme nicht veranlasst habe.

Derzeit läuft ein Beteiligungsverfahren, in dem Anlieger städtebauliche Bedenken äußern können. Um das Projekt zu realisieren, sei eine Änderung des Bebauungsplans nicht notwendig, sagte die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke. „Wir halten eine soziale Einrichtung dieser Größenordnung für vertretbar.“

Die Stadtteil-CDU sieht das anders: Der B-Plan werde gravierend geändert, denn er sehe nur Altenwohnen vor, sagte Fraktionschef Bernd Kölling. Er bezeichnete die Planung als „untauglich“ und sprach von „Kaninchenställen“, in die alte Menschen nicht einzögen. „Das Rote Kreuz sollte sich schämen, uns solch eine Anlage vorzustellen.“

Auf Antrag der CDU bittet der Ortsbeirat den Magistrat nun, den Plan nicht zu verwirklichen, sondern eine integrativ verträgliche Lösung zu finden. Das Gremium beschloss gleichwohl Tischvorlagen von Grünen und SPD: Die sind dafür, das Projekt unter der Maßgabe zu realisieren, dass lediglich Familien mit festem Wohnsitz einziehen.

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