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Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

20. Oktober 2014

Gutleut: Gutleutkirche bleibt Obdach für Flüchtlinge

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Unterkunft der Flüchtlinge in der Gutleutkirche.  Foto: epd

Der evangelische Regionalverband betreut seit drei Monaten eine weitere Gruppe von Lampedusa-Flüchtlingen. Die Hilfe für sie sei lediglich humanitär, betont der Verband – politische Lösungen müssten auf EU-Ebene gefunden werden.

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Gut drei Monate, nachdem der evangelische Regionalverband öffentlich ein neues Hilfsprojekt für obdachlose afrikanische Flüchtlinge in der Gutleutkirche angekündigt hat, leben immer noch 20 Menschen in der Notunterkunft. Zwölf weitere Flüchtlinge seien bereits anderweitig untergebracht und befänden sich auf dem Weg in ein stärker selbstständiges Leben, sagte Michael Bourgeon, Leiter des Arbeitsbereichs Beratung und Therapie im Regionalverband, der Frankfurter Rundschau. Bei ihnen sei die Kirche „guter Dinge“, dass sie bald ganz für sich selbst sorgen könnten.

Erstmals hatte die evangelische Kirche im November vergangenen Jahres 22 afrikanische Flüchtlinge in der Gutleutkirche aufgenommen. Die obdachlosen Männer, die zumeist über die Insel Lampedusa nach Frankfurt geflohen waren und gültige Papiere und Arbeitserlaubnisse für Italien haben, hatten zuvor bei Kirchengemeinden in der Nordweststadt Unterschlupf gefunden. Als die Gruppe sich auflöste, weil einige aufgrund fehlender Zukunftsperspektiven nach Italien zurückkehrten und andere in reguläre Unterkünfte der Kirche umzogen, stellte sich heraus, dass rund 30 weitere Männer zum Teil seit Wochen in der Kirche schliefen und ebenfalls dringend Hilfe benötigten. Der Regionalverband hatte daraufhin Mitte Juli angekündigt, sich auch um diese „neuen“ Flüchtlinge kümmern zu wollen – und die Stadtgesellschaft um Hilfe und Unterstützung gebeten.

Verbesserte Bedingungen

Die Lage in der Gutleutkirche habe sich aufgrund der schrumpfenden Bewohnerzahlen inzwischen etwas entspannt, sagte Michael Bourgeon. Mit ehrenamtlichen Helfern verpflege und berate man die Männer; die Arbeiterwohlfahrt kümmere sich regelmäßig um ein warmes Mittagessen. Es gebe in Frankfurt „nach wie vor eine positive Grundhaltung gegenüber Menschen in Not“, sagte Bourgeon. Die 20 Männer, die derzeit noch in der Kirche schliefen, hätten aufgrund der herrschenden Rechtslage in der EU schlechte Chancen auf eine Arbeitserlaubnis in Deutschland – über den Winter könnten sie aber in jedem Fall bleiben. Die Hilfe für sie sei lediglich humanitär, sagte Bourgeon – politische Lösungen müssten auf EU-Ebene gefunden werden.

Zwölf weitere Flüchtlinge, die aufgrund ihres Rechtsstatus eher auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland hoffen können, würden mit ehrenamtlichen Mentoren bei Behördengängen intensiv betreut und bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützt. „Für diesen Kreis sind wir sehr engagiert dabei, dauerhafte Lösungen zu finden“, sagte Bourgeon. Bei diesem Personenkreis gebe es auch ein „gutes Miteinander mit der Stadt“.

Die Flüchtlinge aus der Gutleutkirche lernen auch weiterhin Deutsch: Ehrenamtliche Lehrer der Organisation „Teachers on the Road“ unterrichteten sie gemeinsam mit anderen Flüchtlingen fünfmal die Woche abends für eineinhalb Stunden, wie Uli Tomaschowski von Teachers on the Road der FR sagte. „Das läuft sehr, sehr gut“, sagte Tomaschowski. „In den Kursen gibt es eine sehr schöne Atmosphäre“. In dem Kurs lernten insgesamt 25 Menschen die deutsche Sprache.

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