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Zuwanderung in Rhein-Main
Auch in Frankfurt und Rhein-Main stranden viele Frauen und Männer - oft nach einer langen und gefährlichen Flucht. Viele Einheimische unterstützen die neuen Nachbarn.

03. März 2014

Rumänen, Sinti und Roma: "Bestrafung von Armut"

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Warten auf neue Bewohner: In den früheren Professoren-Villen an der Georg-Voigt-Straße hätten Roma-Familien Platz. (Symbolbild)  Foto: Andreas Arnold

Das Frankfurter Jugendamt nimmt den Nachwuchs von einer rumänischen Familie in seine Obhut. Die zwei Kinder lebten mit den Eltern in einer Gartenlaube ohne Heizung und fließendes Wasser. Der Förderverein Roma sucht nun eine eigene Wohnung für die ganze Familie.

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Das Frankfurter Jugendamt nimmt den Nachwuchs von einer rumänischen Familie in seine Obhut. Die zwei Kinder lebten mit den Eltern in einer Gartenlaube ohne Heizung und fließendes Wasser. Der Förderverein Roma sucht nun eine eigene Wohnung für die ganze Familie.

Das Frankfurter Jugend- und Sozialamt hat in der vergangenen Woche zwei Kinder in Obhut genommen, die mit ihren Eltern in einem Gartenhäuschen in Bornheim gelebt hatten.

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Weil es dort unter anderem weder eine Heizung noch fließendes Wasser gegeben habe, habe eine akute Gefährdung des Kindeswohls bestanden, sagte Inge Büttner, Leiterin des Fachbereichs Jugend, der Frankfurter Rundschau. Die Mitarbeiter des Amtes hätten „eine Situation vorgefunden, in der die Kinder nicht gelassen werden konnten“. Die Eltern des achtjährigen Mädchens und des erst wenige Monate alten Jungen kommen aus Rumänien, gehören der Minderheit der Roma an und halten sich offenbar erst einige Wochen in Frankfurt auf.

"Es geht um das Gesamtbild"

Generell müsse das Jugendamt jedem Hinweis auf Kindeswohlgefährdung nachgehen, erklärte Büttner. Gerade wenn es darum gehe, Eltern ihre Kinder wegzunehmen, gebe es aber „kein routinemäßiges Handeln“. Zwei Fachkräfte prüften die Lebens- und Familienumstände der Kinder sehr sorgfältig, bevor ein solcher Schritt unternommen werde. „Es geht immer um das Gesamtbild“, sagte Büttner. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sei das Jugendamt vorrangig für den Schutz und die Unterbringung der Kinder zuständig. Eine Notunterkunft für die gesamte Familie zu finden, sei zwar generell wünschenswert, lasse sich aber in den meisten Fällen „nicht unmittelbar herstellen“. Das Amt stehe mit den Eltern in Kontakt und suche nach Wegen, die Familie wieder zusammenzuführen – bis dahin dürften die Eltern ihre Kinder regelmäßig besuchen.

Manuela Skotnik, Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagte der FR, derartige Fälle kämen immer wieder vor, seien aber kein Massenphänomen. Auch Skotnik betonte, dass Kinder nur mit guten Gründen von ihren Eltern getrennt würden. Im Sommer 2012 hätten Mitarbeiter des Jugendamts etwa entschieden, ein Baby bei seiner Mutter zu lassen, obwohl diese zum fraglichen Zeitpunkt im Protestcamp der Occupy-Bewegung vor der Europäischen Zentralbank lebte. Das Kind sei gut versorgt und gepflegt gewesen, sagte Skotnik, man habe daher entschieden, „dass es keinen Grund gibt, der Mutter das Kind wegzunehmen“.

Zum Bornheimer Fall sagte Skotnik, die Unterbringung der ganzen Familie in einer eigenen Wohnung hänge davon ab, ob überhaupt Ansprüche auf Sozialleistungen bestünden. Das ist etwa bei Rumänen, die in Deutschland noch nicht sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, nicht unbedingt der Fall.

Mit Zustimmung der Eigentümer

Für Gabi Hanka, Sozialarbeiterin beim Förderverein Roma, ist die Inobhutnahme der beiden Kinder ein klarer Fall von „Bestrafung von Armut“. Die Familie habe nicht etwa illegal, sondern mit Zustimmung der Eigentümer in der Gartenlaube gewohnt. Nur weil die Eltern aufgrund ihrer Armut keine eigene Wohnung finanzieren könnten, würden ihnen die Kinder weggenommen. „Man hätte die Familie auch zusammen unterbringen können“, findet Hanka. Eine eigene Wohnung sei vermutlich sogar günstiger als die kostspielige Inobhutnahme der beiden Kinder. Zudem sei es fraglich, ob die Trennung von den Eltern wirklich dem Kindeswohl förderlich sei.

Der Förderverein Roma setzt bereits alle Hebel in Bewegung, um kurzfristig eine angemessene Unterkunft für die Familie zu finden, damit die Eltern ihre Kinder wiederbekommen können. Bereits am Dienstag solle ein erstes Gespräch mit einem potenziellen Helfer stattfinden, hieß es. Gabi Hanka unterstützt die Eltern außerdem dabei, beim Jobcenter Hartz IV zu beantragen. Sie rechne allerdings damit, dass die Leistungen wie oft in solchen Fällen vor dem Sozialgericht erstritten werden müssten, sagte Hanka. „Das wird ein langer Weg.“

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